Vier auf einen Schlag

Emden. Wenn die Kunsthalle Emden am Sonnabend, 9. Oktober, um 18 Uhr zur Ausstellungseröffnung einlädt, dann stehen dem Besucher auf einen Schlag vier Besichtigungsmöglichkeiten zur Verfügung.

– Sven Drühl „Apokryphe Landschaften“ ist eine Ausstellung im Atrium, in der in überschaubarer Auswahl neue Positionen des in Berlin lebenden Künstlers gezeigt werden.

„Doing Museum. Wer wir sind, was wir tun“ stellt die Arbeit hinter den Kulissen der Kunsthalle vor und zeigt, was es mit den vier großen Arbeitsbereichen des Hauses – Sammeln, Provenienz-Forschung, Restaurierung und Vermittlung – auf sich hat.

„Kunst braucht Freunde“ bezieht sich auf die Erwerbungen, die die Freunde oder die Jungen Freunde der Kunsthalle in den letzten Jahrzehnten getätigt und dem Haus als Schenkungen übergeben haben. In der Ausstellung wird jeweils einem dieser Werke ein Bild der Kernsammlung gegenübergestellt, was zu eindrucksvollen, aber auch sehr amüsanten Konstellationen führt. Mal ist es die Farbe, die die beiden Arbeiten verbindet, mal das Motiv. Immer aber gibt es offensichtliche Bezüge. Die wissenschaftliche Leiterin der Kunsthalle, Lisa Felicitas Mattheis, nennt das einen „sinnlichen Paar-Dialog“ und steht auf dem Standpunkt, dass Kunstwerke nur lebendig werden, wenn man sie in Kontexte setzt.

– Die vierte Schau stellt die Werke dreier Künstler aus dem Bestand der Kunsthalle vor: Josef Scharl, Hanns Ludwig Katz und Franz Radziwill. Unter dem Ausstellungstitel „Welt aus den Fugen“ firmieren sie als Vertreter der Zeit voller Unruhe, die den 1. bis zum 2. Weltkrieg umgreift. Kuratorin Samira Kleinschmidt hat die biographischen Daten der drei am Ende des 19. Jahrhunderts geborenen Künstler akribisch ermittelt und in einer großflächigen Installation nachvollziehbar gemacht.

Kuratorin Samira Kleinschmidt bei der Führung durch die neue Ausstellung vor zwei gesellschaftskritischen Gemälden von Josef Scharl.

Dabei zeichnet sich eines ganz deutlich ab – die unterschiedliche Lebenszeit der drei Maler. Katz, geboren 1892, stirbt mit 48 Jahren, vier Jahre nach seiner Emigration, in Südafrika. Scharl, geboren 1896, wird 57 Jahre alt. Er stirbt 1954 in den USA. Allein Radziwill ist ein langes Leben beschieden. Der 1895 Geborene wird 88 Jahre alt, ehe er in Wilhelmshaven stirbt. Dennoch, so Lisa Felicitas Mattheis teilen die drei „die Kollektiverfahrung“ ihrer Zeit, ziehen aber jeweils eigene Konsequenzen daraus.

Allein aufgrund dieser großen Differenzen in der Lebenszeit und des damit verbundenen unterschiedlichen Umfangs des jeweiligen Werkes habe es sich verboten, jeweils zeitgleich gemalte Arbeiten einander gegenüber zu stellen, sagte die Kuratorin in der Pressekonferenz am Freitag. So hat jeder der Maler eigene Räume bekommen und man erlebt die Breite des jeweiligen Oeuvres in additiver Reihung. Eine andere Konstellation sei lange erwogen worden, erklärt Samira Kleinschmied gegenüber KiE. Doch sei man schließlich auch aus ästhetischen Gründen – bezogen auf die Malweise der Künstler – auf die jetzige Lösung verfallen. „Die ganze Ausstellung ist sowieso schon sehr komplex.“ Die konfrontierende Gegenüberstellung von zeitgleich gemalten Bildern der drei Akteure ist statt dessen in den Katalog verlegt worden. Beide Maßnahmen seien geeignet „Zeit- und Kunstgeschichte als ganzheitliches, dicht verwobenes Netz individueller Schicksale und kollektiver Erfahrungen“ begreifbar werden zu lassen.

Alle gezeigten Werke der Ausstellung kommen aus dem eigenen Bestand der Kunsthalle. Von Katz und Scharl besitzt das Emder Haus die größten institutionellen Konvolute. Der Bestand an Arbeiten Franz Radziwills liegt bei mehr als 100.

► Der Katalog zu „Welt aus den Fugen“ ist der Auftaktband zu einer neuen Schriftenreihe der Kunsthalle, die sich „Hinter dem Rahmen“ nennt und künftig mono- und biographische Themen bietet. Auch die Ergebnisse der Provenienzforschung, die derzeit im Haus betrieben wird, sollen hier publiziert werden. Der Katalog zu „welt aus den Fugen“ umfasst 128 Seiten mit 79 Farbabbildungen und kostet 17,90 Euro. ISBN 978-3-935414-56-2

► Ein Audioguide steht auf Deutsch und Niederländisch zur Verfügung und kann über das eigene Smartphone gehört werden. Zugang: über QR-Codes in der Ausstellung oder auf der Homepage der Kunsthalle.

► Die Ausstellung ist bis zum 30. Januar zu sehen.