„Spektakulär! Ein Hammer!“

Aurich. Dem „Guten, Schönen, Wahren“ wollen sie dienen – nicht nur in diesem Jahr, aber 2025 ganz besonders. Die „Macher“ der Gezeitenkonzerte. Daher lautet das Motto „Hoffnung!“, und Matthias Kirschnereit, künstlerischer Leiter des Festivals, wünscht sich nachdrücklich: „Mögen unsere Konzerte ein Zeichen der Hoffnung sein.“ Die Chancen dafür stünden gut, denn das hochkarätige Programm spreche für sich und verweise auf etwas „kolossal Verbindendes“, merkt der Pianist und Musik-Professor bei der Programmvorstellung im Forum der Ostfriesischen Landschaft an.

Programmvorstellung mit Rico Mecklenburg, Matthias Kirschnereit, Dr. Jan Amelsbarg, Dr. Matthias Stenger, Heide Fritzsche, Gerrit Wilken und Raoul-Philip Schmidt. Bilder: Wolfgang Mauersberger

Das Programmheft stellt auf 130 Seiten 39 Konzerte im Hauptprogramm, eines im Prolog und acht im Epilog vor. Darüber hinaus gibt es viele Informationen rund um das Festival . So gibt es eine Kurzvorstellung auf Plattdeutsch. Es wird berichtet, wie Daniel Hope dazu kam, Musiker zu werden, Die „Streifzüge“, die dem musikalischen Programm jeweils vorangestellt werden, sind ein Thema, und es finden sich ausführliche Hinweise, wie man Karten bestellt.

Das Programm selbst beginnt mit Helge Schneider, der sich bei seinen ersten Besuch beim Festival vor zwei Jahren so wertgeschätzt fühlte, dass er gerne wiederkommen wollte. Aus terminlichen Gründen muss dieses Konzert vorgezogen werden, so dass Schneider nun schon am 3. Mai in der Sparkassen Arena in Aurich auftritt. Das eigentliche Festival beginnt erst 13 Tage später mit einem Auftaktkonzert im Festspielhaus am Wall. Dabei wird Kirschnereit Mozarts letztes Klavierkonzert spielen und das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode unter Christian Fitzner Beethovens „Eroika“ (16. Mai).


Eine neue Idee, nach und nach alle niedersächsischen Klangkörper bei den Gezeiten zu präsentieren, wird durch einen Auftritt des Göttinger Symphonieorchesters unter Nicholas Milton eröffnet. Es spielt in der Magnuskirche in Esens eine „Last Night of the Proms“ (24. Mai). Tanzen soll das Publikum bei einem Konzert des Orchester im Treppenhaus. „Disco“ heißt deren Programm, das im Zollhaus in Leer stattfindet (19. Juni).

Händel wird zu hören sein (28. Juni), und das Schlusskonzert in Bunderhee (12. Juli) mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter Vilmantas Kaliunas werde „rauschhaft“, sagte Kirschnereit mit Blick auf das Programm mit Filmmusiken. Das Orchester müsse dann gleich weiter, weil es am nächsten Abend im Concertgebouw in Amsterdam spiele. Das Bundesjugendorchester unter Dirk Kaftan ist zu Gast mit Mahlers 4. Sinfonie in der Papenburger Stadthalle (8. August). „Spektakulär. Ein Hammer“, kommentiert Kirschnereit.


Was gibt es noch? Das Vogler-Quartett, das seit 40 Jahren in derselben Besetzung spielt, kommt am 22. Mai in die Nicolaikirche nach Pewsum. Der Shooting-Star am Cello, Anastasia Kobekina (27. Mai) wird in Iheringsfehn erwartet. Gezeiten-Dauergast Violinist Daniel Hope und die legendäre Geigerin Antje Weithaas, die Kirschnereit „wahnsinnig schätzt, sind dabei (1. Juni und 5. Juni). Schauspieler und Sänger Ulrich Tukur stellt sein Programm „Eine Nacht in Venedig“ in der Blinke in Leer vor (29. Juni). Viviane Hagner spielt mit einem Trio Bachs „Goldberg-Variationen“ (10. Juni), in Gristede erklingt unter anderem eine Drehleier.

Julian Prégardien singt in der Kühle der Mauritiuskirche Reepsholt Schuberts „Winterreise“. 500 Kinder nehmen an dem Projekt „SingBach“ teil. Es gibt japanische Literatur zu passender Klaviermusik (23. September). Alpenländisches kommt von der Formation „Maxjoseph“ (24. Juni). „Das wird schmissig“, schwärmt der organisatorische Leiter der Gezeiten, Raoul-Philip Schmidt. Natürlich sind die Langen Nächte wieder eingeplant. Aber das ist noch lange nicht alles.


Kinderrock, Lesungen, Komponistenporträts, Jazz – etwa mit dem schwedischen Jazz-Posaunisten Nils Landgren und seiner Funk Unit(11. Juli im Van Ameren Bad). Die Bratschen des Elbphilharmonie-Orchesters bringen etwas mit, das weder Theater noch Konzert ist. Der Mandolinist Avi Avital ist zu hören (1. Juli, Münkeboe), ebenso Maurice Steger (Blockflöten) am 2. Juli in Wittmund. Der Jazz-Pianist Japer van’t Hof ist ebenso vertreten (8. Juli, Papenburg) wie der klassische Pianist Martin Helmchen (13. Juni, Remels).

► Der Vorverkauf für diese musikalische Fülle beginnt am 17. März um 9 Uhr. Die Kartenpreise, so erläuterte Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger, reichen von 55 Euro in der Spitze bis zu sechs Euro für Kinder und Jugendliche. Der Niedrigpreis ist möglich durch eine Förderung der EWE-Stiftung.

Der Beauftragte „Wirtschaft fördert Gezeiten“, Dr. Jan Amelsbarg, konnte vermelden, dass seit dem letzten Jahr zehn weitere Förderer hinzugekommen sind. Jetzt werden die Gezeiten von 159 Firmen, Unternehmen, Geschäften, Einzelpersonen finanziell unterstützt. Alle Förderer sind im Programmheft auch benannt.


Die „Freunde der Gezeiten“ zählen über 900 Mitglieder, die in diesem Jahr drei Veranstaltungen finanzieren. „Unsere Zahlen steigen, ohne, dass wir aktiv dafür werben müssen“, staunt Vorsitzende Heide Fritzsche. Jedes Mal, wenn sie den Computer öffne, seien Mail angekommen von neuen potentiellen Mitgliedern.

Und Gerrit Wilken, Vorstand der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse, machte deutlich, dass die Gezeitenkonzerte zum Menschenschlag im Nordwesten passten. Diese seien gekennzeichnet durch Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Selbstvertrauen – alles Faktoren, die auch für das Festival gälten.

Landschaftspräsident Rico Mecklenburg zeigte sich überaus erfreut über die Entwicklung, die die Gezeitenkonzerte, die in der Trägerschaft der Ostfriesischen Landschaft sind, jedes Jahr nehmen. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass die Ostfriesische Landschaft in der Nachkriegszeit wieder mit Perspektive aufgebaut und damit die Region kulturell weit nach vorne gebracht worden sei. „So etwas gibt es kein zweites Mal.“