Auftakt für Turm-Sanierung der Neuen Kirche
Emden. Der Ausbau einer Bronzeglocke aus dem Dachreiter der Neuen Kirche hat am Dienstag (11. März) den Beginn der Sanierung des gesamten hölzernen Turmes eingeleitet. Die Brückstraße wurde dafür mittags gesperrt, konnte aber schon eine Stunde später wieder freigegeben werden. „Das hat wunderbar geklappt“, versicherte Elke Brüning, Vorsitzende des Bauvereins Neue Kirche. Der Bauverein strebt diese notwendige Sanierung bereits seit langem an. Doch immer wieder gab es Hindernisse und Verzögerungen – mal durch Corona, mal durch fehlende Fachfirmen.

Die Glocke von 1724 ist mittlerweile auf dem Weg nach Herford zur Kirchturmtechnik HEW.
Das 230 Kilo schwere Stück konnte in einer präzise geplanten und durchgeführten Aktion aus dem Turmaufbau entnommen und per Ulferts-Kran auf dem Boden aufgesetzt werden. Dafür waren schon morgens zwei Zimmerleute und zwei Techniker aus Herford im Turm beschäftigt. Eine der Schallluken wurde demontiert und die Glocke mittels eines Kettenzuges herausgehoben. „Wären wir nur zu zweit gewesen, hätten wir das wohl nicht geschafft“, lobte im Anschluss Kirchturmtechniker Peter Wulff die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Firma Carsten Dierks (Edewecht).



Die Entfernung der Glocke war notwendig, weil sie nach 300 Jahren überarbeitet werden muss. Am Rand sind kleine Fehlstellen sichtbar, einer der Kronenbügel, an denen die Glocke an einem Joch aufgehängt war, ist gebrochen. Und auch das Joch selber muss ersetzt werden. Die stählerne Tragekonstruktion zeigt strukturelle Schwächen und wird nun – ganz klassisch – durch einen Eichenbalken ersetzt. „Das ist auch besser für den Klang“, betont Peter Wulff.



Bis es soweit ist, wird es aber noch dauern. Denn die Glocke wird erst wieder eingehängt, wenn die Turmsanierung abgeschlossen ist. Da sieht Architekt Jann Kersten (Norden) aber noch Zeitbedarf. Denn um ein freitragendes Gerüst für die Arbeiten über dem Kirchendach bauen zu können, bedarf es zweier unabhängiger statischer Berechnungen. Zudem müssten die Frühjahrsstürme abgewartet werden, weil durch den Wind enorme Drucklasten entstehen. „Da ist sehr viel Zusammenarbeit nötig“, versichert Kersten.
Der grundsätzliche Plan ist, zunächst ein Gerüst an der straßenseitigen Fassade zu errichten, über dem Giebel eine stabile Verbindung der Gerüstteile zu schaffen und dann Traversen durch die Schalluken hindurch zu legen, um die Stabilität der Konstruktion zu gewährleisten. Beim Ausbau der Glocke wurde deutlich, wie stark das Holz des Türmchens bereits geschädigt ist. Morsche Stellen sind mit dem bloßen Auge zu erkennen und machen die Dringlichkeit der Arbeiten deutlich.

Der sechseckige Dachreiter mit Galerie und offener Laterne trägt eine Nachbildung der Habsburger Kaiserkrone Rudolphs II., die – nach den Kriegszerstörungen – der Emder Bildhauer Fritz Liebsch neu schuf. Hoch oben in der Turmspitze hängt eine kleine, unbeschriftete Schlagglocke. Diese ist von der Sanierung nicht betroffen. Die größere Läuteglocke im Turmschaft, deren Durchmesser 71 Zentimeter beträgt, wurde von Jan Albert de Grave aus Amsterdam gegossen. Die Inschrift verweist darauf: „Me fecit Jan Albert de Grave Amstelodami Anno Domini 1724“.

Für die Sanierung des gesamten Turmes wurden rund 300 000 bis 350 000 Euro veranschlagt. „Vermutlich wird es mehr werden“, orakelt Vorstandsmitglied Manfred Meyer. 114 000 Euro steuert der Bund bei. Den Rest muss der Bauverein finanzieren. Dabei ist das Geld ausnahmsweise nicht das vordringliche Problem. Schwierigkeiten gibt es vielmehr bei den Handwerkern. „Wir finden einfach nicht genug Fachfirmen, die Angebote abgeben“, beklagte Elke Brüning noch bei der letzten Mitgliederversammlung im November letzten Jahres.
