Wenn aus Stahl Kunst entsteht
Leer. Der Metallbildhauer Leonard Wübbena (Jahrgang 1946) hat dem Kunsthaus Leer eine Großplastik geschenkt. „Flora II“ hat inzwischen ihren Platz im Garten der Villa im Turnerweg gefunden. Aus Anlass der Schenkung wurde am Sonntag (6. April) im Kunsthaus eine neue Ausstellung eröffnet – „Formen der Stille“. Sie widmet sich den Kleinplastiken des aus Funnix (Kreis Wittmund) stammenden Künstlers. Zudem sind Papierarbeiten mit Entwurfszeichnungen zu sehen.

Für den anfänglich als Druckgraphiker tätigen Wübbena wurde eine Begegnung mit den Arbeiten des US-amerikanischen Bildhauers David Smith (1906 bis 1965) zur Initialzündung. Dessen große Stahlskulpturen werden dem abstrakten Expressionismus zugerechnet. Fasziniert von den Arbeiten, machte sich Wübbena daran, sich von Landwirtschaftsbetrieben alte Schrottteile zu besorgen und diese zu Plastiken zusammenzufügen. Um besondere Teile zu bekommen, gab er sogar Anzeigen auf, berichtete Wübbena im Künstlergespräch mit der Kunsthaus-Leiterin Susanne Augat.

Vieles holte er von den damals noch vorhandenen kleinen Schrottplätzen. Das sei billig gewesen. Wichtig für ihn, denn: „damals hatte ich ja noch keine Aufträge“. Die metallenen Fertigteile aus der Industrie bearbeitet er noch heute – und nutzte den entstehenden Rost als Ausdruckselement. Speziell für Außenplastiken arbeitet Wübbena mit rostendem Cortenstahl, den er ab und an mit Blattgold, Edelstahl oder Farbanstrichen kombiniert. Ein Goldelement in Form einer vergoldeten Scheibe bietet auch „Flora II“.

Er habe seine Werkstatt seinem Material entsprechend ausgestattet, sagte Wübbena – mit Brenner, Kran und Hubwagen. Denn als ungelernter Metallarbeiter sei die Arbeit nicht ungefährlich. Da benötige man schon die passende Ausstattung. Die häufige Verwendung einer Kugel oder Scheibe in seinem Arbeiten habe ihren Grund in einer Kugel von einem Meter Durchmesser, die lange in seinem Garten lag. Dann habe er sich schließlich daran gemacht, sie zu „schlachten“ – und Gefallen an der Form gefunden.


Viele seiner abstrakten Werke tragen Titel. Diese verstehe er als Hilfsangebot zum Verständnis, meine Wübbena, den es in letzter Zeit verstärkt zu farbigen Plastiken zieht. „Das scheint derzeit aber ein Trend zu sein“, stellt er selber fest. Metallarbeiten mit Rost treffe man derzeit nur sehr wenige an.


Die Ausstellung eröffnete Michael Kläsener, Dezernatsleiter im Landkreis Leer. Den musikalischen Part übernahm die Saxophonistin Marina Elsner mit moderner Musik, die sich unkompliziert um die 13 ausgestellten Kleinplastiken schmiegte. Diese entstanden zwischen 2020 und 2025 und sind noch bis zum 1. Juni im Kunsthaus zu sehen. Geöffnet ist das Kunsthaus: Die bis Do und So von 14 bis 17 Uhr

