„Ein Bild muss man fühlen, sonst wird das nichts“
Ein kleines Heft gibt viel über die Malerin Christa Kähler preis
Emden. An einem heißen Tag setzte sich die vor allem als Pastellmalerin bekannte Christa Kähler an den Schreibtisch und stellte zusammen, was sie an Fotos ihrer Arbeiten archiviert hatte. Das waren hunderte Bilder, und die Auswahl fiel schwer. Doch das Ziel stand fest. Zu ihrer Ausstellung im Müllerhaus der Johanna-Mühle sollte ein Büchlein erscheinen – eine Erinnerung an die vielen Bilder, die sie in Jahrzehnten gemalt hatte und von denen die meisten verkauft sind.
In dem Heft sollten aber auch Gedichte Aufnahme finden, die in den Jahren zwischen 2009 und 2011 entstanden. Es sind Texte, die in schweren Zeiten entstanden, als ihr zweiter Mann an Krebs erkrankte und 2011 starb. So sind es Gedanken zu Tod und Krankheit, zu dunklen Tagen, Liebe und Schmerz, die hier ihren Ausdruck finden, aber auch solche zu Glück, Regen, Kälte, die Knock oder Reiseerinnerungen. Text und Bild stehen sich gegenüber – manchmal wie eine Illustration, manchmal auch wie ein Kommentar.
62 Seiten umfasst das Bändchen „Aus meinem Leben. Bilder und Gedichte“ – Landschaften, Blumenbilder, Stillleben, Worte. So widmet sie zum Beispiel den Gefäßen, Vasen und Schalen, die auf den Bildern auftauchen, eigene malerische Betrachtungen. „Wenn im Winter nichts blühte, habe ich eben die Töpfe genommen und sie ins Bild gesetzt“, sagt sie selber. Ihre Landschaften nehmen die Weite Ostfrieslands in den Blick – Land und Wasser. Bei den Blumen dominieren Stiefmütterchen – ihre Lieblingsstücke, denen sie auch ein Gedicht gewidmet hat:
Du zarte Blume, bezaubernd und klein
Du Kind des Sommers, so samtig und fein
Deine leuchtenden Farben
Dein Blumengesicht
Dein süßer Duft –
Schon immer liebte ich Dich
Ein großer Teil des Büchleins, das mit Hilfe eines Mitarbeiters der Druckerei Bretzler umgesetzt werden konnte, zeigt ihre Pastell-Arbeiten. Und die heiklen Pastellkreiden waren lange Zeit ihr hauptsächliches Malmittel. „In Pastell zu malen ist eine höchst aufwändige, schwierige Technik, die Geduld erfordert.“ Die Farben entstehen durch das Übereinanderschichten der unterschiedlichen Kreiden in einer Stricheltechnik. Die Durchdringung der Farbwerte schafft die Tiefenwirkung. So bestehen Wolken nie einfach nur aus Weiß, Blau und Grau, sondern es werden die Farben des Regenbogens eingearbeitet, erklärt Christa Kähler. Und weil sie den direkten Blick auf die natürlichen Prozesse braucht, kann sie auch nicht nach Fotos arbeiten. „Ein Bild muss man fühlen, sich hineindenken, sonst wird das nichts.“
Fast 16 Jahre hat sie in der Zwillingsmühle in Greetsiel ausgestellt. „Da mussten jedes Mal 40 bis 50 neue Bilder fertig sein“, erinnert sich die Malerin. Die Besucher seien kritisch gewesen und hätten sofort erkannt, wenn ein bereits gezeigtes Bild aufgetaucht wäre. „Und jedes Mal waren da diese Zweifel, ob die Arbeiten den Ansprüchen genügen. Das war immer wieder schrecklich aufregend.“
Weniger aufregend, aber durchaus spannend waren Arbeiten, die spontan entstanden. So besorgte sich Christa Kähler, die heute in Larrelt lebt, die alten Schindeln der Kirche des Dorfes und bemalte sie mit jenen Ornamenten, die sich in dem Gebäude wiederfinden, malte auch die Orgel und das berühmte Larrelter Tympanon. Zu ihrer Überraschung und Freude fanden diese Arbeiten reißenden Absatz.
Diese Resonanz erhofft sie sich jetzt auch für ihr Büchlein, dass im Müllerhaus zu bekommen ist (62 Seiten, zehn Euro). Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Kunstverein Emden zugute, der seit 2024 besteht und das Haus für seine regelmäßigen Ausstellungen nutzt.
► Die Ausstellung „Kunst und Künstliches“ ist noch bis zum 15. August zu sehen. Öffnungszeiten: jeden Freitag, Sonnabend und Sonntag von 13 bis 17 Uhr. Jeden Freitag gibt es ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen. Eintritt: frei

