Ein Konzert, das Eindruck machte

Dornum. 1711. Karl VI. wird Kaiser der Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie wird liquidiert. Die Oper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel feiert Premiere am Queen’s Theatre in London. Der russische Zarewitsch Alexei von Russland heiratet Charlotte Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Und in Dornum wird eine neue Orgel gebaut. Meister Gerhard von Holy (1687 bis 1736) errichtet auf der Westempore die drittgrößte historische ostfriesische Orgel – nach denen in Norden und Leer. Sie verfügt über 32 Register auf drei Manualen und Pedal. Ein Grundbestand an Pfeifen stammt noch von einer spätgotischen Vorgängerin.

Hatten gute Sicht auf die Holy-Orgel: Besucher, die vor dem Altar mit Blick auf die Westempore saßen. Bilder: Wolfgang Mauersberger
Scheint zu schweben: die Orgel, der das Festival bei Kerzenschein gewidmet ist

All das steht in der reich ausgeschmückten St. Bartholomäuskirche an diesem Abend, der Eröffnung der „Nachtorgel bei Kerzenschein“, im Hintergrund, als Organist Hilger Kespohl dem kleinen, feinen Festspiel seine Reverenz erweist und betont, dass die „Nachtorgel“ weit über die Region bekannt ist und es ihm eine Ehre sei, den Auftakt zu gestalten. Er tut dies mit einem Programm, das die norddeutschen Orgelschule in den Mittelpunkt stellt: Buxtehude, Scheidemann, Weckmann, Reincken. Zwei Toccaten, ein Variationenwerk und vier choralgebundene Werke präsentiert der Organist der Arp-Schnitger-Orgel in Hamburg-Neuenfelde, der Grabeskirche von Arp Schnitger.

Spielte Werke der norddeutschen Orgelkunst: Hilger Kespohl an der Holy-Orgel von 1711
Künstlerischer Leiter der „Nachtorgel bei Kerzenschein“: Professor Bernhard Klapprott

Wesentlich in diesem Teil: die wunderbare Choralfantasie „Was kann uns kommen an für Not“, die textlich auf Psalm 23 beruht. Die Komposition sei ein „selten gespieltes Werk“, versicherte Kespohl. Kein Wunder, bot es doch eine musikalische Vielschichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Überhaupt hatte der Organist reiche Registrierungen (Registrant: Ingo Valentin) vorgenommen, die die Möglichkeiten der schönen Orgel auf das Vorteilhafteste präsentierte.

Auf einer acht Meter hohen Warf errichtet: die Ende des 13. Jahrhunderts gebaute St. Bartholomäuskirche von Dornum

Dann allerdings brach Johann Sebastian Bach mit ganzer Wucht und Pracht in das Konzert hinein. „Präludium und Fuge C-Dur“. Bach? Norddeutsch? Kespohl machte das an den Besuchen des Barockmeisters in Lüneburg und Lübeck fest. In diesem Werk seien zweifelsfrei norddeutsche Spuren auszumachen, ist sich der Organist sicher. Wie auch immer: Bach wurde zum nachdrücklichen Schlusspunkt eines Konzertes, das Eindruck machte und das Publikum zu langanhaltendem Applaus animierte.

► Das nächste Konzert der Reihe findet am 25. Juli um 21 Uhr statt. Dann konzertiert Jonathan William Moyer (Cleveland, USA)