Bücher als Tore zu fremden Welten
Emden. Die Johannes a Lasco Bibliothek erprobt in diesem Jahr unter dem Titel „Von Büchern und Menschen“ zur Emder Museumsnacht am 9. August ein neues Konzept. Initiator und Organisator ist der wissenschaftliche Mitarbeiter des Hauses, Dr. Michael Weichenhan.
Das Programm, das zwischen 18 und 24 Uhr stattfindet, sieht zu jeder vollen Stunde eine rund 15-minütige Präsentation mit Bildern von einigen Büchern aus den Beständen des Hauses vor. Um 21 Uhr gibt es eine Gesprächsrunde, in der der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Johannes a Lasco Bibliothek, Harald Groenewold, und Weichenhan über das Motto des Abends diskutieren. Dabei geht es um den Sinn des Bücherlesens in hektischen Zeiten, um Bücher als Tore zu fremden Welten. Der Besuch der Ausstellung „Highlights aus sechs Jahrhunderten“ ist möglich. Zudem wird Buchbinderin Diana Smidt demonstrieren, wie aus einem Stapel Blätter ein Buch gemacht wird. Wasser, Wein und Salzgebäck laden zu Gespräch und Austausch ein.
Michael Weichenhan möchte bei dieser Museumsnacht zeigen, dass eine Bibliothek nicht nur eine prächtige, aber irgendwie unnütze Schatzkammer ist, sondern ihr Geheimnis gerade darin besteht, viel von den Menschen und ihren Erfahrungen erzählen zu können. Weichenhan: „Wer liest, der reist nicht nur in andere Zeiten, sondern auch an andere Orte. Er kann das Fremde spüren, er sieht auf die Welt mit anderen Augen, ja er erlebt sie aus der Perspektive von Figuren.“ Das Motto solle also den Blick auf Bücher lenken, die zeigen, welche Erfahrungen Menschen mit ihrer Welt gemacht haben – etwa die Angst vor Naturerscheinungen, wie sie sich in einem Kometenbuch des 17. Jahrhunderts zeige.


Zudem will Weichenhan neben den Büchern – unter anderem aus der französischen Aufklärung -, auch einige Stücke aus der Kunstsammlung der Bibliothek zeigen. Eine besondere Kostbarkeit sei ein Geschichtswerk mit umfangreichen Anmerkungen aus der Bibliothek des Emder Bürgermeisters Petrus Medmann (1507 bis 1584). „Es ist interessant zu sehen, was ein Mensch des ausgehenden 16. Jahrhunderts an einem Buch zur griechischen Geschichte, das aus dem 5. Jahrhundert vor Christus stammt, bemerkenswert fand.“ Das Buch verrate zudem etwas sehr Wichtiges: dass man nämlich der Auffassung war, aus der Geschichte etwas lernen zu können.

Große Geschichten seien häufig auch mit dem Motiv der Reise verbunden. Die „Odyssee“, „Sindbad der Seefahrer“ oder auch Tolkiens „Herr der Ringe“ gehörten ebenso dazu wie „Don Quijote“ oder Goethes „Faust“ oder Manns „Zauberberg“. Gerade das letzte Beispiel sei ein Beleg dafür, wie sich das Reisen in ferne Länder wandele in Reisen „ins Innere“. Weichenhan: „Es ist dann weniger wichtig, was die Figur erlebt, sondern es interessiert, wie die Hauptfigur die Außenwelt erlebt.“

► Der erste Interessent, der sich bei der 21 Uhr-Gesprächsrunde einfindet, kann sich über ein besonderes Geschenk freuen: einen Band mit Texten des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges (1899 bis 1986). „Was sollte besser zu einer Bibliotheksnacht passen als ein Autor, der eine Bibliothek als ein unendliches Universum verstanden hat“, fragt Michael Weichenhan.
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