Auf der Suche nach H. Gier
Emden. Heinz Frerichs aus Oldenburg ist ein vielfach interessierter Mensch und pflegt Sachverhalten, die er unklar findet, nachzugehen. Als er in der Landesbibliothek Oldenburg zwei digitale Pläne der Residenzstadt Oldenburg und der Stadt Brake entdeckte, stieß er auf den Namen des Kartenzeichners H. Gier. „Ich wollte wissen, wer dieser H. Gier ist, fand aber selbst bei Experten für Landkarten keine Antwort.“
Was Frerichs aber fand, das waren immer mehr Karten, die mit dem Namen „Gier“ versehen waren. So forschte er immer weiter nach, bis er schließlich so viele Informationen und Daten zusammengetragen hatte, dass er sie in einer schmalen Dokumentation zusammenfassen konnte. Dazu gehörten auch die Lebensdaten der Kartenzeichners.
Gier trägt drei Vornamen – Carl Hermann Martin und wurde am 18. Januar 1842 in Peine geboren, wo er auch getauft und 1856 konfirmiert wurde. Am 19. September 1899 starb Gier in Minden. Er heiratete 1867 Auguste Scharlach, wurde Vater von acht Kindern, von denen sechs früh starben. Gier arbeitete im Katasteramt Bremen, wurde 1873 entlassen – wegen „Unregelmässigkeiten“. 1875 und 1876 wanderte er wegen Betrugs ins Gefängnis. 1891 wird er wegen Verletzung des Patentrechtes zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nach den beiden Haftstrafen machte sich Gier als Plan- und Kartenzeichner selbständig, so hat es Frerichs ermittelt. Seine erste Karte war der „Plan der Großherzoglichen Haupt- und Residenzstadt Oldenburg“ von 1879. In den folgenden Jahren entstehen rund 150 Kartenwerke, 69 von ihnen sind nachweisbar – die meisten, nämlich 43, zeigen niedersächsische Städte. Darunter finden sich Emden und Leer als einzige Orte in Ostfriesland.
Die Pläne Giers seien detailreich, besonders groß und die dargestellten Häuser jeweils mit Hausnummern versehen. Damit mache Gier seine Kartenwerke „für breite Bevölkerungskreise attraktiv“, befindet Heinz Frerichs. Zudem werden in einer Legende besondere Einrichtungen benannt. Dazu zählen Schulen, Kirchen, Industrieanlagen, Brauereien, Gasthöfe, Apotheken. Für Dortmund sei auch der Verlauf der Straßenbahnstrecke eingezeichnet, betont Frerichs. Der Dortmunder Plan enthalte 119 Einzelhinweise, der für Brake 32, für Lemgo 60, für Oldenburg 30 in der Erstauflage, aber 146 in der Zweitauflage.

Bei all diesen Neuerungen stellt der Autor der Dokumentation fest, dass die Pläne Giers nicht amtlich erstellt wurden „und damit letzter Verbindlichkeit entbehrten“. Allerdings habe das die Beliebtheit der Pläne, die vorwiegend über Buchhandlungen vertrieben wurden, nicht beeinträchtigt. Schade sei indes, dass die Kartenwerke nicht datiert seien.

