„Völlig überrascht von der großen Resonanz“

Emden. Die Johannes a Lasco Bibliothek hat bei der Emder Museumsnacht große Resonanz verzeichnen können: rund 500 Besucherinnen und Besucher ließen sich vom Motto „Von Büchern und Menschen“ in die Bibliothek locken. Dr. Michael Weichenhan, Organisator der Veranstaltung: ,,lch war völlig überrascht von der großen Resonanz, die von Anfang an unser Angebot begleitet hat.“ Von 18 Uhr bis über Mitternacht hinaus kamen immer wieder Interessierte ins Haus, um die Bibliothek, die Ausstellung „Highlights aus sechs Jahrhunderten“ zu besichtigen und den Kurzreferaten zuzuhören.


Gelobt wurde vor allem das hohe Niveau dieser Vorträge, die Einzelobjekte des Hauses in den Blick nahmen und deren besondere Aspekte hervorhoben. Das galt etwa für ,,Emden und die Aufklärung“. Weichenhan stellte das Titelbild der von Denis Diderot und Jean-Baptist d’Alembert herausgegebenen „Encyclopédie“ in den Mittelpunkt und erläuterte davon ausgehend das Typische und Bezeichnende dieser Epoche. Außerdem stellte er die Geschichte der Kometenerscheinungen vor, die der 1675 verstorbene Sozinianer Stanisław Lubieniecki 1667 publiziert hatte und zeigte daran, wie Menschen auf Erscheinungen am Himmel zu verschiedenen Zeiten umgehen.

Erweckte viel Interesse: Buchrestauratorin Diana Smidt

Auch der Emder Bürgermeister des 16. Jahrhunderts, Petrus Medmann, zu dessen Zeiten das Renaissance-Rathaus gebaut wurde, war Gegenstand einer Betrachtung. Medmann, gebürtig aus Köln, war ein Gelehrter, der sich mit antiken Texten beschäftigte. So hat er in jenen 87 Büchern, die die Johannes a Lasco Bibliothek bis heute bewahrt, Notizen und Anmerkungen hinterlassen. Weichenhan stellte ,,Der Peloponnesische Krieg“ des griechischen Historikers Thukydides (geb. vor 454 vor Christus, gest. zwischen 399 und 396 vor Christus) vor, den Medmann aufmerksam studiert hatte. Seine Bemerkungen zu diesem Buch zeigten dessen andauernde Aktualität, so Weichenhan.

Betrieb war die ganze Nacht in der Bibliothek: Besucher nahmen den Raum und die Objekte in den Blick, lauschten den Vorträgen, schauten sich das umfangreiche Material zur Geschichte der Großen Kirche auf einem Bildschirm an oder nahmen sich Zeit für die aktuelle Ausstellung „Highlights aus sechs Jahrhunderten“

Eingebunden in den Abend war auch der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Johannes a Lasco Bibliothek, Harald Groenewold. Er übernahm in Vorstellung der Raamin-Presse von Roswitha Quadflieg, deren Archiv die Johannes a Lasco Bibliothek 2003 erworben hat. Außerdem stellte er Werke des Buchkünstlers Otto Rohse vor. Mit einem Ausschnitt aus „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende verabschiedete er schließlich die Besucher in die Nacht.

Ein Blick von ganz oben in das Mittelschiff der Bibliothek. Bilder: Frerichs, Hummerich, Wagner

Im Zentrum des Abends stand ein Gespräch über Literatur, ausgehend von der Vorstellung der Bibliothek als eines Hafens. Es ging um die Bedeutung von Büchern als Schlüssel und Weg zur Welt- und Selbsterfahrung. Am Schluss gab es eine Empfehlung, wie man am besten mit Literatur umgeht. ,,Lesen Sie wenig, das aber intensiv und mehrfach“, meinte Weichenhan.

Begleitet wurde das inhaltliche Programm von einem – ständig umlagerten – Stand der Buchrestauratorin Diana Smidt, die unter anderem unterschiedliche Materialien für Bucheinbände zeigte, die aber auch Vorzeige-Objekte dabei hatte – Bücher, Schachteln und Schuber. Ewa Emery und Gabi Frerichs hatten die Bibliothek für den Abend hergerichtet, die Benjamin Thon in prächtiger Beleuchtung erstrahlen ließ, zahlreiche Ehrenamtliche schenkten Wein und Saft aus und sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

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