Ein nächtlicher Kauf, begleitet von Zweifeln

Die Johannes a Lasco Bibliothek feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Klaas-Dieter Voß eine Ausstellung eingerichtet, die „Highlights aus sechs Jahrhunderten“ zeigt. Einige dieser Exponate sollen hier vorgestellt werden.

Teil 3:
Ein Selbstbildnis des Marinemalers Ludolf Backhuysen von 1693

Emden
. Der Tipp kam im Frühjahr 1998 von dem Kunstsammler Jan Smidt. Der Greetsieler hatte in der Fachzeitschrift „Weltkunst“ einen Artikel zur Kunstmesse „Pan“ in Amsterdam gelesen. Darin wurde auf ein Gemälde verwiesen, das dort zum Verkauf angeboten werden sollte: ein Selbstbildnis des Marinemalers Ludolf Backhuysen (1630 bis 1708) von 1693 aus englischem Privatbesitz.

Selbstbildnis des Ludolf Backhuysen, das aus englischem Privatbesitz nach Emden gelangte. Bild: JaLB

Smidt informierte Walter Schulz, den Direktor der Johannes a Lasco Bibliothek. Der setzte sich umgehend ins Auto, fuhr nach Amsterdam, und suchte den Händler direkt auf, um sich das Gemälde anzusehen. Die nächtliche Rückfahrt sei von vielen Zweifeln begleitet gewesen, erinnerte sich Schulz später. Denn er hatte das Bild ohne Zögern sofort gekauft, bevor es noch in den regulären Handel kommen konnte. Er wusste zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht, wie er es bezahlen sollte.

Schulz‘ Bestreben, für Emden ausschließlich Kunstwerke von Spitzenqualität und internationalem Rang zu kaufen, hatte den Bibliotheksdirektor auch dieses Mal geleitet. Und die Sache mit der Bezahlung? Die löste sich bald auf. Die Gerhard ten Doornkaat Koolman-Stiftung trat als Käufer der einen Hälfte der Investition auf, die Hamburgerin Esther Schulte, geb. Nübel, eine gebürtige Emderin, finanzierte die anderen 50 Prozent.

Warum ist das Gemälde so bemerkenswert? Weil sich in ihm die Kunst des großen Malers in einem kleinen Format gleichsam verdichtet präsentiert. Das erklärte die Kunsthistorikerin Dr. Gerlinde de Beer bei der Vorstellung des Gemäldes. De Beer erstellte auf Empfehlung der Gemäldegalerie Stiftung Preußischer Kulturbesitz, auch ein Gutachten für die Bibliothek. In diesem bescheinigt sie dem Selbstbildnis, es sei eine „geistreiche Parallele zu seinen Bildmotiven“.

Ludolf Backhuysen wurde in Emden geboren und wanderte als 20-Jähriger in die Niederlande aus, wo er als Marinemaler Karriere machte. Gleichwohl blieb die Bindung zu seiner Heimatstadt erhalten. Dafür steht in der Ausstellung eine Stadtansicht Emdens, ebenfalls ein Spitzenwerk und ein Unikat, denn Backhuysen malte „seine“ Stadt nur ein einziges Mal.

Das Selbstbildnis misst nur 46 mal 37,5 Zentimeter, vermittelt aber eindringlich das Bildnis eines selbstbewussten, eleganten Herrn mit üppiger Perücke, der lässig an einer Brüstung lehnt – hinter sich auf der einen Seite eine – womöglich kirchliche – Architektur, während die rechte Bildseite einen Blick auf maritime Elemente freigibt: den Heckspiegel und die Takelage eines Schiffes mit niederländischer Flagge und die Statue eines Neptun.