Die sieben Tage von Boen
Boen. Direkt an der Boenster Hauptstraße von Bunde liegen Atelier und Galerie des Künstlers Ulrich Schnelle. Am Sonnabend (30. August) war hier wieder eine Ausstellungseröffnung zu erleben, die gleich mehrere Besonderheiten bot. Denn während sonst geladene Künstlerkollegen hier ihre Kunst präsentieren, waren es diesmal die Arbeiten des Hausherrn selber, die die Wände bedeckten. Zudem dauert die Ausstellung keine Monate, wie sonst üblich, sondern nur eine Woche.

Eigentlich sollte es auch keine Eröffnungsrede geben. Doch dann entschlossen sich Christiane Hubert-Schnelle und Ulrich Schnelle spontan dazu, ein paar Worte zu sagen, um nach einer einjähriger Pause den Neuanfang doch formal zu markieren. Ob es weitere Ausstellungen geben wird? Er wolle es nicht ausschließen, meinte Ulrich Schnelle. Doch ließ er offen, ob und wann das passiert.


Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel „Art Week Boen“ bietet 20 teilweise sehr großformatige Arbeiten aus den Jahren zwischen 2015 und 2025 – die meisten davon in Öl auf Leinwand. Das aktuelle Konzept von verwehenden Silofolien – eines dieser Bildermotive ziert den neuen Kunstkalender der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse und der Ostfriesischen Landschaft – hat Schnelle zu intensiven, farbstarken Abstraktionen verstetigt. Und doch meint man immer wieder realistische Flüchtigkeiten in den Arbeiten zu erkennen – so, wie man beim Blick in die Wolken Gegenständliches zu sehen meint. Auch Schnelle gestand, dass tatsächlich und zu seiner eigenen Überraschung zwischen den Faltungen und Verwerfungen seiner Gemälde realistische Elemente hervorlugen.
Klassische Malerei mit Pinsel oder Spachtel ist ihm immer noch lieber als die Arbeit mit dem Computer oder Künstlicher Intelligenz. „Da bin ich konservativ“, versichert er. Dazu zählt er auch Fotoarbeiten auf lichtbeständigem Hahnemühler Aquarellpapier. Eine alte Kamera, die er sich eigens besorgt hatte, lieferte nur Bilder mit Unschärfen oder, wie er selber sagt: „Die Fotos waren Schrott.“ Doch als er diese Bilder mit Ölfarbe und einige technische Finessen bearbeitete, boten sie mit einem Mal höchst ansprechende räumliche Aspekte von Innen und Außen. Fünf dieser Arbeiten sind in der Ausstellung zu sehen.
Dass auch Künstler Ideen haben, die sie mit Rücksicht auf ihr Umfeld letztlich nicht verwirklichen, gestand Schnelle ebenfalls ein. Dazu zählt ein großformatiges Fischstilleben von 2015 aus der Werkreihe „Rest vom Fest“. Das wollte er nämlich eigentlich mit Fischöl malen, weil ihn der Geruch so entsetzt hatte, als er die Fischhalde, die dann zur Grundlage seiner malerischen Verfremdung wurde, fotografierte. „Aber das war mir dann doch zu heftig.“

► Die Ausstellung in der Galerie Schnelle ist bis zum 6. September täglich von 15 bis 19 Uhr zu sehen: Ulrich Schnelle, Boenster Hauptstraße 3. Tel. 0 49 53 / 92 24 72 oder u.schnelle@t-online.de

