Spuren des Menschen in der Kunst

Aurich. Der neue Kulturkalender für 2026 liegt vor und zeigt Arbeiten von zwölf Künstlerinnen und Künstlern der Region unter dem Motto „Nähe und Ferne“. Spuren des Menschen seien dort versammelt, kündigte Dr. Annette Kanzenbach an. Sie ist seit vielen Jahren für die Auswahl der Motive zuständig“. Vier der im Kalender vertretenen Künstler waren dabei, als das Druckwerk im Rahmen einer Pressekonferenz bei der Ostfriesischen Landschaft in Aurich vorgestellt wurde.

Vielfältiges bietet der neue Kunstkalender, der in Aurich vorgestellt wurde: Rico Mecklenburg, Thomas Weiss, Susanne Augat, Ulrich Schnelle, Dr. Annette Kanzenbach, Helmut Reipen, Dr. Matthias Stenger, Marikke Heinz-Hoek und Hartmut Bleß. Bild: Sebastian Schatz, OL

Alle vier Künstler zeigten sich begeistert von der Arbeit der Druckerei Bretzler und bescheinigten der Firma, erstklassige Qualität umgesetzt zu haben. Insbesondere Marikke Heinz-Hoek, die seit Jahren die Nutzung Künstlicher Intelligenz für ihre Arbeiten nutzt und sich dabei über langwierige Gestaltungsprozesse ihren künstlerischen Absichten nähert, lobte die differenzierte Wiedergabe ihrer diffizilen Arbeit „Sprung im Nebel“. Aber auch Ulrich Schnelle zeigte sich begeistert von der Umsetzung seiner Werkreihe „Endje van ´d Welt“, in der er verwehende Fetzen von Strohballen-Folien für abstrakte Farbräusche nutzt.

Erstmals seit langer Zeit findet sich eine Skulptur unter den Abbildungen. Mit dem linearen Porträt „Küstenwächter – Eva“ des freischaffenden Objektkünstlers, Malers und Keramikers Helmut Reipen aus der Ostermarsch bei Norden wurde der Dreidimensionalität Tribut gezollt. Hartmut Bleß, der erst vor wenigen Tagen sein Atelier in Holtrop eröffnet hat (KiE berichtete), stellt mit seiner Arbeit „Feierabend“ das Titelbild des Kalenders. Eine Fahrt durch Wiesmoors Hauptstraße, Regen, sinkende Sonne, Straßenlaternen, düsterer Himmel – Gegenständliches und Abstraktes durchdringen sich und erwecken den Anschein von Spiegelungen und flackerndem Leben.

So unterschiedlich die Bilder, so unterschiedlich die Lebensläufe und Aktivitäten der Künstler. Wan-Yen Hsieh stellt gerade in Chicago aus. Almuth Baumfalk, Nichte des Kunstsammlers Dr. Walter Baumfalk und geboren in Aurich, lebt und arbeitet in Berlin. Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin pendeln zwischen Buenos Aires und Norden. Hildegard Peters, 2017 in Norden gestorben, wechselte zwischen Ostfriesland, Amsterdam und Paris. Die Vielfalt der Kunst in Ostfriesland belegen auch Werke von Hermann Buß, dessen surrealistisch wirkende Werke existentielle Fragen aufwerfen.

Der Portugiese Vitor Ramos, der in Leer lebt, verarbeitet in seinen Siebdrucken Fotomaterieal. Sein Beitrag für den Kunstkalender verarbeitet eine Ansicht des Ringofens der Uttumer Ziegelei. Ida Oelke aus Esens verweist in den Bereich der Kommunikation. Dafür hat sie zwei Köpfe in konstruktivistischer Reduktion gewählt. Der Kalender zeigt auch ein Werk des gebürtigen Norders Theo Haasche (verstorben am 10. August 2025).Sein Gemälde nimmt in expressiver Verdichtung Bezug auf Erlebnisberichte alter Seefahrer.

Landschaftspräsident Rico Mecklenburg betonte, dass der Kalender belege „wie stark die Kunst in Ostfriesland vertreten ist“. Thomas Weiss, Vorstandsvorsitzender der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse, die den Kalender gemeinsam mit der Landschaft herausgibt, versicherte seine Faszination über die Vielseitigkeit und Kreativität, die sich in dem Kalender darstelle . Es bilde sich ein reicher Fundus an Bildender Kunst darin ab. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Nachfrage nach dem Kalender, der über die Brandkasse bundesweit vertrieben wird, groß sei. Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger verwies darauf, dass es den Kunstkalender bereits seit 1967 gäbe, er somit mit der nächsten Ausgabe sein 40-jähriges Bestehen feiere.

Stenger dankte ausdrücklich Annette Kanzenbach für die lange Zeit, die sie den Kalender betreut. Zwei der Werke, die jetzt im Kalender für 2026 abgedruckt sind, entdeckte diese bei Ausstellungen im Kunsthaus Leer. Die Leiterin der Einrichtung, Susanne Augat, sollte ursprünglich Nachlässe aufnehmen. Inzwischen sammelt das Kunsthaus selber zeitgenössische Kunst aus Ostfriesland.

► Der Kunstkalender ist über den Handel und im Landschaftsladen (www.olv-gmbh.de) zu bekommen. Er kostet auf Grund der Förderung durch die Brandkasse 18,95 Euro