Plattdüütskmaant feiert 20. Geburtstag

Aurich. Zum 20. Mal heißt es in diesem Jahr „Septembermaant is Plattdüütskmaant“. Ausgerichtet vom Plattdüütskbüro der Ostfriesischen Landschaft wird seit 2006 alljährlich ein Veranstaltungsreigen organisiert, der sich ganz der ostfriesischen Sprache und ihrer Förderung widmet. In den zwei Jahrzehnten wurde ein weites Netzwerk aufgebaut, das das Projekt trägt. „Ohne die vielen Menschen, die das Konzept unterstützen, wäre das nicht möglich gewesen“, versichert Grietje Kammler, Leiterin des Plattdüütskbüros. „Jetzt wollen wir feiern, was in 20 Jahren geschaffen wurde.“

„Platt fiert“ ist das diesjährige Motto: Ute Meinert, Rico Mecklenburg, Grietje Kammler, Remmer Kruse, Hans Freese (Oostfreeske Taal), Vera Hansen (Plattdüütskbüro), Anja Zimmermann, Dr. Matthias Stenger und Anja Bufe. Bild: Sebastian Schatz, OL

Das Feiern sei gerechtfertigt, bestätigt Rico Mecklenburg, Präsident der Ostfriesischen Landschaft. „Das Image des Plattdeutschen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.“ Die Sprache sei identitätsstiftend. „Ostfriesland ohne das Plattdeutsche geht nicht.“ Auf Borkum habe er jüngst erlebt, wie so etwas auch touristisch aussehen könne. Borkum habe einen eigenen Platz für das Plattdeutsche eingerichtet – mit einer „Platt-Bank“ und einem Bauwagen für kleine Literatur- und Sprachangebote.

Angebote gibt es im Plattdüüskmaant in Ostfriesland reichlich. 80 davon listet ein Überblick auf, den das Plattdüütskbüro zusammengestellt hat. Er bietet Lesungen auf Platt- und Hochdeutsch an Schulen, wobei das Buch von Andrea Reitmeyer „Emily und das Meer“ im Mittelpunkt steht (zum Beispiel am 5. September in der Grundschule Larrelt). Weitere Lesungen finden etwa am 11. September um 19 Uhr im Historischen Museum Aurich statt, wo es um Texte von Ina Müller und Gerd Spiekermann geht, oder am 15. September um 15.30 Uhr auf Borkums „Platt-Bank“, wo eine Geschichte auf Borkumer Platt auf interessierte Zuhörer wartet.

Konzerte stehen auch auf dem Programm – etwa am 4. September um 20 Uhr mit Yared Dibaba, Annie Heger, Sabine Hermann und Insina Lüschen oder am 14. September um 19 Uhr mit dem Otto Groote Ensemble, beide im Zollhaus. Es gibt plattdeutsches Theater, plattdeutsche Gottesdienste, Grundkurse „Plattdeutsch“, plattdeutsche Abende, Sing-Workshops auf Platt. Dazu kommen Aktionen, die die kommunalen Plattdeutsch-Beauftragten organisieren – etwa am 28. September auf dem Früchtefest im Emder Ökowerk.

Musikpädagoge Remmer Kruse (Norden) ist mit zwei Projekten dabei. Er komponiert seit 2014 Schulhymnen. Eigentlich als einmalige Aktion gedacht, war die Nachfrage so groß, dass es nunmehr eine Liste interessierter Schulen führt. Dabei ist die Entwicklung eines solchen Projektes eine hoch aufwändige Angelegenheit. „Da geht immer der ganze Sommer drauf“, berichtet Kruse, der aber zugleich davon schwärmt, dass es „wohl kaum moderneren Unterricht“ gibt als den, der mit und über die Hymnen stattfindet.

Sein zweites Projekt in diesem Jahr betrifft das Buch „Jann Krabb“ von Georg Frey und Magdalena Rimpf-Frey, das von den beiden Künstlern Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin aufwändig illustriert wurde. Dieses Buch über eine Strandkrabbe wird an vier Schulen vorgestellt, und Kruse bekennt unumwunden: „Ik frei mi up de Plattdüütskmaant!“

Andrea Reitmeyer, die im vierten Jahr in die Veranstaltungsreihe eingebunden ist und gemeinsam mit Grietje Kammler auf Lesetour geht, stellt in diesem Jahr mit „Emily“ ihre inzwischen als Buch gedruckte Diplomarbeit zur Verfügung. Die in Mainz lebende Ostfriesin hat mittlerweile 15 Bücher geschrieben und bebildert und bindet die Lesung ein in ein ganzes Info-Paket, das sich mit Sprache, Berufsvorstellung und Traumreisen beschäftigt.

Die beiden Plattdeutschbeauftragten der Gemeinde Moormerland Astrid Bufe und Anja Zimmermann haben so viel Spaß an dem Plattdütskmaant, dass sie in diesem Jahr ein eigenes Programm mit fünf Veranstaltungen auf die Beine stellen. Sie selber gestalten am 8. September um 20 Uhr einen Plattdeutschen Abend im Bürgerhaus Neermoor.

Neben den Aktionen, Veranstaltungen und Projekten ist in der Reihe „Lesestart mit Eberhart“ ein plattdeutsches Leselernheft rund um Wünsche von Kindern herausgegeben worden. Zusätzlich verteilt das Plattdüütskbüro Postkarten sowie einen plattdeutschen Lernkarton zur ostfriesischen Teezeremonie.

Die finanzielle Unterstützung erfolgt durch dir Regionale Kulturförderung des Landes Niedersachsen, die ostfriesischen Kommunen und den Verein Oostfreeske Taal. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Ostfriesischen Sparkassen ist wieder dabei. Ute Meinert ist überzeugt, dass die Förderung „gut angelegtes Geld“ ist.

► Das genaue Programm des Plattdüütskmaant: ol-link.de/plattmaant