Die ganze Pracht der Musik

Emden. Seinen 220. Geburtstag feiert der Singverein Emden am 14. September um 17 Uhr mit einem großen Konzert in der Martin Luther Kirche. Auf dem Programm steht einer der Lieblingskomponisten des Singvereins: Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen „Lobgesang“ erklingen wird. Dazu gesellt Dirigent Clemens-C. Löschmann Giacomo Puccinis „Messa di Gloria“. Es sei ein Programm, dass ein „Bewusstsein für die Kontinuität über die Zeiten hinweg“ repräsentiere, versichert die Vereinsvorsitzende Professor Dr. Sylvia Kotterba.

Der Singverein unter Clemens-C. Löschmann im November 2024 mit Bläser-Verstärkung bei seinem Herbstkonzert im Festspielhaus am Wall. Bilder: Mauersberger

Um auch die ganze Pracht der Musik wirken lassen zu können, wird der Singverein verstärkt durch einen Projektchor, in dem sich ehemalige Sänger, aber auch neue kundige Stimmen zusammenfinden. In bewährter Weise ist die Kammer Sinfonie Bremen als Orchester dabei. Vier Sängerinnen und Sänger übernehmen die Solo-Parts. Es sind Stephanie Henke (Sopran), Rosina Fabius (Mezzosopran), Andreas Post (Tenor) und Armin Kolarczyk (Bass).

Der „Lobgesang“ gehört zu den bevorzugten Werken des Singvereins, stammt es doch von einem seiner Lieblingskomponisten, Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847). Das Stück steht in strahlendem B-Dur und ist in zwei Teile gegliedert – einen sinfonischen Beginn und einen Kantatenteil. Der „Lobgesang“ beginnt mit einem Eingangsmotiv, das sich den Zuhörern im gesungenen zweiten Teil ganz erschließt: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“. Die Texte stellte Mendelssohn aus Bibelzitaten und dem evangelischen Kirchenlied „Nun danket alle Gott“ zusammen.

Nochmals im Festspielhaus: der Singverein beim 1. Emder Chorfrühling

Giacomo Puccini (1858 bis 1924) schrieb die „Messa di Gloria“ zwischen 1878 und 1880. Das Jugendwerk wurde zu Lebzeiten Puccinis nicht veröffentlicht und erst in den 1950er Jahren wiederentdeckt. In der Vertonung des lateinischen Ordinariums mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus/Benedictus und Agnus Dei steht der Chor im Mittelpunkt – stellt also das geeignete Werk für das Jubiläum des Singvereins dar.

Die Gründung des Vereins verliert sich im Dunkel der Geschichte, da er unter verschiedenen Bezeichnungen firmierte, die nur hin und wider an die Öffentlichkeit getreten sind – zumeist finden sich Hinweise in Anzeigen, die auf Konzerte hinwiesen. Beauftragt damit, eine Festschrift zu schreiben, macht sich Sänger Hans-Peter Glimme 2005 auf die Suche nach Daten. Und er wird tatsächlich fündig. Er stößt auf eine Anzeige vom 29. Mai 1805 in den „Ostfriesischen Anzeigen“. Darin heißt es:

Zum Besten der Armen wird durch die hiesige Musicalische Gesellschaft am bevorstehenden Freitagabend, den 7. Juni, als den Tag der Heringsbuisen-Ausfahrt, im van Dohlenschen Haus Concert gegeben werden, welches hiermit einem hochzuehrenden Publico bekannt gemacht wird.

Seit 1827 verzeichnen die Annalen des Singvereins dreizehn Chorleiter. Der derzeitige, Clemens-C. Löschmann, ist also der vierzehnte in der langen Reihe, aus der drei Persönlichkeiten besonders hervorragen. Dazu gehört der aus Lüneburg stammende Dr. Eduard Krüger, der den Singverein mit einer kleinen Unterbrechung von 1832 bis 1852 leitete. Der überaus agile, vielseitig interessierte und begabte Krüger, der auch komponierte, schrieb unter anderem für Robert Schumanns „Neue Zeitschrift für Musik“. Für Emden bedeutet das einen Gewinn an Ansehen, und für den Singverein ein Aufsteigen zu immer komplexeren Werken der Musikgeschichte.

Ein anderer bekannter Name in der Liste der Dirigenten des Singvereins ist der von Kirchenmusikdirektor Wolfgang Pahlitzsch (1909 bis 1998), der den Singverein in der Nachkriegszeit übernahm und insgesamt 26 Jahre leitete. Pahlitzsch, der 1963 auch den Leeraner Schütz-Chor übernahm, wird nachgesagt, dass er ein sehr strenger Chorleiter war. Dennoch kamen viele Chorsänger seines guten Rufes wegen zum Singverein.

Die längste Zeit wurde der Chor aber von Gerhard Schoone geleitet – ganze 43 Jahre lang stand er auf dem Dirigentenpult und führte den Singverein dabei auch an moderne Literatur heran. Dazu zählen etwa „The armed Man. A Mass for Peace“ des walisischen Komponisten Karl Jenkins oder die „Misa Criolla“ des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez.

Der Tenor Clemens Löschmann steht einerseits in der direkten Nachfolge und nutzt das klassische Oratorien-Programm, bindet aber regelmäßig moderne Anteile in die Veranstaltungen ein – sei es, dass er eine Tänzerin engagiert, sei es, dass ein Saxophon-Quartett oder Bläser die Begleitung übernehmen, sei es, dass er neue Aufführungsorte erprobt, sei es, dass er zeitgenössische Musik erklingen lässt – wie im letzten Jahr mit der „Missa brevis“ des niederländischen Komponisten Jacob de Haan.

► Eintritt: 29 / 24 / 15 Euro, Reservierung: Ticketservice in der Tourist-Info Alter Markt 2a oder an der Abendkasse