Im Jubelkonzert blendend aufgestellt
Emden. Zum 220. Geburtstag hatte der Singverein Emden ein Konzert geplant, das zwei Klassiker der Chorliteratur umfasste: Felix Mendelssohn-Bartholdys „Lobgesang“ und Giacomo Puccinis „Messa di Gloria“. Zudem gehört Mendelssohn-Bartholdy zu den erklärten Lieblingskomponisten der Sängerinnen und Sänger. So war es denn eine Veranstaltung, die mit Blick zurück womöglich voller Wehmut hätte ausfallen können. Tat sie aber nicht. Der Singverein war – auch mit Hilfe der 25 Mitglieder eines Projektchores – blendend aufgestellt und ausgezeichnet vorbereitet. Beide Werke boten zudem genügend Möglichkeiten, sich auf das Vorteilhafteste zu präsentieren – noch dazu, wo die Kammer Sinfonie Bremen einen wunderbaren instrumentalen Klang verbreitet und die vier Solisten bestens disponiert waren.

Zum Einstieg in das Konzert hatte Dirigent Clemens-C. Löschman aus den „Drei geistlichen Liedern“ von Mendelssohn „Herr, wir trau´n auf Deine Güte“ ausgewählt und zu einem opulenten, nur von der Orgel begleiteten, Klangbild gestaltet. Der Singverein hatte sich für das Konzert auf 67 Stimmen verstärkt und konnte somit voluminös agieren. Dieses kraftvolle, gleichwohl aber durchaus sensible Gesamtbild verstärkte sich noch beim „Lobgesang“ mit seinem im Gedächtnis bleibenden Kantaten-Einstieg „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“. Die Fülle der kompositorischen Einfälle verschleift Mendelssohn in einem Instrumentalteil, der dreisätzig angelegt ist, aber als ein Element durchgespielt wird und in einem neunteiligen Kantatenteil, der mit wechselnden Solo-Stimmen, mal mit Chor, mal ohne, mal mit Chor-Solo durchgeführt wird und somit ein reiches Feld für viel Abwechslung bot. Das Zusammenspiel aller Teile klang harmonisch und wunderbar leicht, und ließ keine Wünsche offen.

Nach der Pause gab es den „Hymnus zu Ehren des heiligen Kreuzes“ von Venantius Fortunatus (ca. 530 bis 609) in einer Vertonung von Puccini, quasi als eindrucksvolles Vorspiel zur Messa, und er entfaltete sich ähnlich opernhaft wie die „Messa di Gloria“, die dann folgte. Diese Messa ist effektvoll, musikalisch reizvoll und führt lebhaft durch das lateinische Mess-Offertorium.

Beim Singverein stand die Messa di Gloria schon mehrfach auf dem Programm-Zettel. Der Schwerpunkt liegt, wie der Titel schon besagt, beim Gloria, das sich ausgehend von dem ohrwurmartigen Eingang und nur unterbrochen durch ein Tenor-Solo in prächtigen musikalischen Wendungen entwickelt. Nahezu die Hälfte der Aufführungszeit widmet sich Puccini nur dem Gloria, das er mit schönen Melodien nur so überschüttete. Ein reizvolles Projekt, zugleich aber auch anstrengend für die Chorsänger, die sich nur einmal während der langen Messa setzen können. In gekonntem Schwung gaben sie dem Prüfungsstück des Opernkomponisten eine glanzvolle sangliche Ausführung.

Auch die vier Solisten waren stimmlich ausgezeichnet aufgestellt. Andreas Post mit mächtigem Tenor, Rosina Fabius ganz lyrisch, Armin Kolarczyk mit energetischem Bass, Stephanie Henke mit feinem Sopran. Dazu kam ein kundiger Wouter van Belle an der Beckerath-Orgel. Gemeinsam mit der Kammer Sinfonie Bremen stellten alle Beteiligten mit dem Singverein zusammen ein frisches und elegantes Ensemble dar, das von Löschmann souverän geleitet wurde.

Während der Veranstaltung wurde der Singverein mit einer Urkunde des Niedersächsischen Chorverbandes geehrt, die Heike Douglas, Vorsitzende des Ostfriesischen Chorverbandes, überreichte. Ihr oblag auch die Moderation, während der das Publikum unter anderem erfuhr, dass der jüngste Sänger des Abends 17 Jahre alt sei, die älteste Sängerin 90 Jahre.

Der Singverein sei „Teil der lebendigen Stadtgeschichte“ und ein „Geschenk für die Stadt“, bescheinigte Oberbürgermeister Tim Kruithoff den Sängerinnen und Sängern. Dr. Helga Trüpel, Vorsitzende des Fachausschusses Kultur der Deutschen UNESCO-Kommission, lobte das Zusammenhalten der Sänger über so lange Zeit entgegen jeder kurzfristigen und schnell vergänglichen „Amazon-Mentalität“.
Der Singverein verabschiedete sich nach rund vier Stunden mit einem Friedenswunsch von Martin Luther: „Verleih uns Frieden gnädiglich“
