Beinahe wäre er Fußball-Profi geworden
Emden. Aufgewachsen in den Trümmern des zerstörten Emdens hat sich der leidenschaftliche Kickers-Fan Bodo Olthoff nicht zum Fußball-Profi entwickelt, sondern ist Künstler geworden. Jetzt hat ihm die Stadt Emden zum 85. Geburtstag im Ostfriesischen Landesmuseum eine zwar kleine Schau eingerichtet, die aber dennoch wesentliche Abschnitte seiner künstlerischen Entwicklung präsentiert.

Olthoff selber erinnerte daran, wie er in Zeiten der Not den eng gewordenen Zusammenhalt unter den Emdern als vorbildlich empfunden habe. Sein Leben habe sich zu jener Zeit quasi auf dem Bronsplatz abgespielt, wo sich die Jungs trafen, um mit einem Fußball, der aus Stofffetzen zusammengebunden war, ihrem Sport zu frönen. Noch heute malt Olthoff, aber es sind nicht mehr die großen Formate. „Das schaffe ich nicht mehr“, sagt er selber. Aber kleine Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle entstehen noch immer unter seinen kundigen Händen. Olthoff selber hatte für die Präsentation eine Bilderauswahl zusammengestellt, aus der sich die Kuratorin des Landesmuseums, Dr. Annette Kanzenbach, bedienen durfte.

Michael Sieben

Wan-Yen Hsieh und Bodo Olthoff
Eine kleine Eröffnungsfeier brachte Freunde, Wegbegleiter und Bekannte des Künstlers zusammen – darunter auch Enkelin Daje Kirchner, die aus Wien angereist war. Museumsleiterin Jasmin Alley begrüßte die Gäste, Oberbürgermeister Tim Kruithoff hob in seiner Rede hervor, wie beeindruckt er immer wieder von dem Werk des heute in Aurich lebenden Künstlers sei. Er verfüge inzwischen über ein eigenes „Olthoff-Zimmer“, und im Verwaltungsgebäude – aus Platzgründen dort untergebracht – sei das große Triptychon „6. September 1944“ zu sehen, das seit 2019 als Schenkung Olthoffs dort hänge.

Die Festrede hielt Michael Sieben, ein enger Freund Olthoffs. In seinem kurzen, aber gedankentiefen Vortrag zitierte Sieben den römischen Kaiser Marc Aurel (121 bis 180): „Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farbe deiner Gedanken an.“ Dies geschah vor allem in Hinblick auf die farbstarken Werke Olthoffs, die – obwohl der Abstraktion zugehörig – zugleich immer auch Geschichten erzählen und damit vor allem Bezug nehmen auf die See.

► „Bilder Geschichten Kunst. Bodo Olthoff. Wirklichkeit und Poesie aus 60 Jahren“ ist bis zum Januar 2026 im Eingang der Neuen Galerie zu sehen. Dieser Bereich soll künftig genutzt werden, um Geburtstage und Jubiläen ostfriesischer Künstler gesondert von den Ausstellungen in der Neuen Galerie zu würdigen.
