Die Neubewertung eines Künstlers
Emden. Zum 150. Geburtstag des Künstlers Poppe Folkerts (1875 bis 1949) hat die Kuratorin im Ostfriesischen Landesmuseum, Dr. Annette Kanzenbach, einen Vortrag über den Norderneyer Maler gehalten, dessen Arbeiten noch bis zum 15. März 2026 mit einer Ausstellung auf der Insel gewürdigt wird.

Einen Teil ihres umfangreichen Vortrags widmete Annette Kanzenbach den Bemühungen um eine Neubewertung des Folkerts-Werkes. Der zu Lebzeiten freischaffende Maler sei ein anerkannter etablierter Künstler gewesen, dem es gelang, mit seiner Arbeit seine sechsköpfige Familie zu ernähren. Seine Stil habe Folkerts schon um 1910 entwickelt. In der Nachkriegszeit habe er dann als „unmodern“ gegolten, weil er die „Trendwende zur Abstraktion“ nicht mitgemacht habe. Zudem habe man ihn als zu „heimatverbunden“ abgelehnt.

Mit einer Gedächtnis-Ausstellung im Jahr 2000 auf Norderney sei die Wertschätzung des Malers zurückgekehrt. „Die umfassende Präsentation im Ostfriesischen Landesmuseum Emden 2009/2010 schärfte dann weiter den Blick auf die Kunst von Poppe Folkerts.“ In der Publikation „Im Bann der Nordsee. Poppe Folkerts. Der See- und Landschaftsmaler“ sei er kunstgeschichtlich eingeordnet und als ein Künstler vorgestellt worden, der nach Beendigung seiner Lehr- und Wanderjahre in der wilhelminischen Kaiserzeit im deutschen Impressionismus seinen Kunststil gefunden habe.

Dem Kunsthistoriker Professor Dr. Karl Arndt sei es dann gelungen, eine „überzeugende Darstellung des konsequenten künstlerischen Wegs“ darzustellen. Dieser habe intensiv mit Almut Folkerts zusammengearbeitet, die den schriftlichen Nachlass ihres Vaters verwaltete. Aber auch die weitere Familie und die Kunstsammler hätten dazu beigetragen, dass Annette Kanzenbach das Werk des Malers – abseits des Nachlasses – in größerem Umfang kennenlernen konnte.

In der Folge der Emder Retrospektive meldeten andere Museen Interesse an – so 2010 das Schifffahrtsmuseum Groningen, 2013 das Deutsche Sielhafenmuseum Carolinensiel, ein Jahr später wurde das Werk Folkerts‘ in Unna gezeigt, 2018 im schwäbischen Bietigheim-Bissingen, im selben Jahr in Königsberg.

2010 wurden die Fördergemeinschaft-Poppe-Folkerts-Museum und die Poppe Folkerts-Stiftung gegründet, „die mit unermüdlicher Arbeit Ansehen und Würdigung des Künstlers weiter beförderten und befördern.“ Heute sei Poppe Folkerts wieder einer der hoch anerkannten Maler der westlichen Nordseeküste.

