Über die Kunst, Kunst zu transportieren
Emden. Wie funktioniert der Transport kostbarer Kunst- und Kulturgüter – und das weltweit? Die Freunde der Kunsthalle e.V. hatten einen profunden Kenner eingeladen, der „aus dem Nähkästchen“ plaudern konnte. Hans-Ewald Schneider, geschäftsführender Gesellschafter des Logistikunternehmens Hasenkamp mit Hauptsitz in Köln, hantierte in seinem frei gehaltenen – und daher besonders interessanten – Vortrag souverän mit jenen Bedingungen, die erforderlich sind, um überhaupt in dem Sektor tätig werden zu dürfen.

Denn Hemmnisse gilt es in Fülle zu überwinden. Hasenkamp – mittlerweile ist die fünfte Generation in das Familienunternehmen eingezogen – arbeitet als globaler Logistikdienstleister mit spezialisierten Tätigkeitsfeldern in vier Geschäftsbereichen – und muss stets bürokratische Hürden überspringen, die sich – vor allem im peniblen und ordnungsversessenen Deutschland solchen Transporten entgegenstellen. „Wahnsinn“ und „Überregulierung“ nennt der erfahrene Kunstlogistik-Experte, was sich da an Nachweispflichten und Ausschreibungsunterlagen auftürmt – Seiten um Seiten Vorschriften, Forderungen, Bedingungen. Teilweise sei es schlechterdings nicht möglich, den geforderten Vorgaben zu folgen, sagte Schneider, weil sie gar nicht auf die von seinem Unternehmen transportierten Güter anwendbar seien. „Die Themenvorgaben sind normiert, die Kunst ist es nicht!“

Doch Hasenkamp hat dem Regelungswahn einiges entgegen zu setzen. So verfügt die Firma nicht nur über eine eigene Ingenieur-Abteilung, sondern entwickelt seine Verpackungsmaterialien und auch die notwendige Software selber, weil es aufgrund der sehr speziellen Anforderungen keine andere Möglichkeit gibt. Alles wird nach ambitionierten ökologischen Standards entwickelt – von speziellen Transportkisten bis hin zu emissionsfreien Kunstdepots, die nach neuesten Klima-Erkenntnissen gebaut werden. Diese habe das Unternehmen – ohne jede staatliche Förderung – europaweit errichtet. Die Konzernzentrale liegt bei Hasenkamp immer noch in Köln, aber weltweit gibt es 48 Standorte. Dass dabei auch geeignete Manpower benötigt wird, machte Schneider deutlich. Gerade in der Vorwoche habe man 24 Auszubildende neu eingestellt, um den Nachwuchs heranzubilden.
Hans Ewald Schneider ist am Steuer seines eigenen Fliegers nach Emden gekommen. Eile ist ihm jedoch nicht anzumerken. Er erzählt auch gerne Geschichten, die ganz praktische Hintergründe haben. So orderte das Wallraf-Richartz-Museum, als es 2001 ein neues Haus – 300 Meter vom alten Standort entfernt – bezog, 2000 Transportkisten für die Gemälde der Sammlung. Schneider riet ab – „welch eine Verschwendung von Ressourcen!“ – und setzte seine Spezialisten zur Problemlösung ein. „Wir hätten ja nicht einmal gewusst, was man hinterher mit all diesen Kisten hätte anfangen sollen, und wo wir sie hätten einlagern sollen.“
Die Ingenieure entwickelten Kisten mit veränderbaren Innenhalterungen, die sich auf die unterschiedlichen Gemälde-Maße einstellen ließen. „Schließlich waren es 85 und nicht 2000 Kisten, die benötigt wurden, um den Transport zu bewältigen“, erläutert der Logistiker. Schwierige Transporte gibt es viele, eine besonders einfache Aufgabe stellte dagegen der Transport eines ägyptischen Werkes dar. Die Goldmaske des Tutanchamun zum Beispiel. Sie sei einfach auf dem Arm getragen und sicher abgeliefert worden.

