Eloquentes Spiel auf zwei Cembali

Weener. Es war ein Konzert von exquisiter Eleganz, das Aleksandra und Alexander Grychtolik im Organeum in Weener mit feinem Gespür für wirkungsvolle musikalische Präsentation spielten. Ihr Programm war dabei ebenso ungewöhnlich, wie ihr eloquentes Spiel auf zwei Cembali, die zum Bestand des Hauses gehören: Das Cembalo von Christian Zell (Hamburg), hatte der fürstliche Hof in Aurich 1741 für die Hofkapelle bestellt.

Sie spielt, er assistiert: Alexander und Aleksandra Grychtolik mit dem Zell-Cembalo von 1741. Bilder: Wolfgang Meuersberger

Nach dem Ende der Cirksena-Herrschaft 1744 wurde es pfleglich weitergegeben – erst an den Statthalter Friedrichs des Großen, dann an die Familie de Pottere, dann an die Ostfriesische Landschaft, die es wiederum dem Organeum übertrug. Das zweite Cembalo ist der Nachbau eines Instrumentes flämischer Herkunft von 1745, den Klaus Ahrends 1966 verwirklicht hat.

Begrüßte die Gäste: Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke, Leiter des Organeums – hier vor einer Orgel von Jürgen Ahrend. Sie gehört zu der umfangreichen Instrumentensammlung des Organeums

Das Programm enthielt ein elegisches Lamento „über den schmerzlichen Verlust Seiner Königlichen Majestät Ferdinand IV.“ von Jacob Froberger, das gebrochen wurde durch drei Tanz-Sätze, zuletzt eine zauberhaft fließende Sarabande, „eine Auferstehung“, wie Alexander Grychtolik mit Bezug auf den ersten Satz versicherte.

Die Besucher des Konzertes sitzen bei den Hauskonzerten im Organeum dicht gedrängt

Der Cembalist, Honorarprofessor in Weimar und zweifache Doktor der Architektur und der Musikwissenschaft ist Spezialist für die Musik des Johann Sebastian Bach. Und im Stile des großen Barock-Komponisten improvisierte er auch – eine besondere Spezialität, die Eindruck machte. Dem Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel gab Aleksandra Grychtolik die Ehre. „Abschied von meinem Silbermanischen Claviere“ ist ein Rondo, das hohe Anforderungen an den Interpreten stellt. Dass der Bach-Sohn neue musikalische Wege beschritt, ist bekannt. Wie weit er zu gehen bereit war, demonstrierte die Cembalistin an Emanuela „Fantasia fis-moll“ (Wq 67), die in geradezu extremer Weise in der Tonsprache „modern“ genannt werden darf. Damit konnte das Publikum dieses Hauskonzertes eine Folge-Epoche kennenlernen, die neue Elemente der Emotion, der Empfindsamkeit in die musikalische Welt brachte.

Auch vierhändig tätig: Ehepaar Grychtolik am zweimanualigen Cembalo-Nachbau von Klaus Ahrend

Das Schluss-Stück reichte sogar noch weiter. Man befand sich in der Welt der Wiener Klassik – mit Mozarts Sonate in C-Dur (KV 19d). Ob dieses Stück wirklich von Mozart stamme, sei nicht ganz klar, hatte Alexander Grychtolik zuvor erklärt. Doch auf dem zweimanualigen Ahrend-Cembalo korrespondierte das rauschhafte Klangvolumen des Instrumentes mit der lebhaften Schönheit der Komposition zu einem echten musikalischen Erlebnis. Wer diese Musik in der Klavierfassung kennt, musste zugestehen, dass die Wirkung auf dem zweihändig gespielten Cembalo eine deutliche feinsinnigere Note bekam.

Die Hauskonzerte im Rahmen der neu aufgelegten Reihe „Musikalische Herbst- und Winterreisen“ im Organeum bieten besonders schöne Erlebnisse. Die Räume sind keine Konzertsäle, der Andrang ist groß, die Künstler sind nah. Das sorgt für Intensität. Von den rund 50 Besuchern war nur die Hälfte angemeldet – und so rückte man eben zusammen und genoss gemeinsam die wunderbare Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.