„Ein guter Kunsthändler hat nie Geld!“

Emden. Der monatliche Lange Kunstabend in der Kunsthalle beinhaltet ein Gesprächsformat mit dem Titel „Auf ein Bier mit …“. Dieses Mal hatten sich der Kunsthändler und Galerist André Kirbach und die Vorsitzende der „Freunde der Kunsthalle“, Maike Peters-Heidemann, zum Plaudern zusammengefunden. Dabei war der Publikumsandrang ungewöhnlich groß.

Sehr gut besucht war das Atrium der Kunsthalle beim Talk am langen Dienstagabend. Bilder: Wolfgang Mauersberger

Das Gespräch wandte sich vor allem der Biographie Kirbachs zu. Und die war ausgesprochen spannend, denn schon als Kind entwickelte sich sein Verständnis von Kunst. Ein Besuch in einer Antiquitäten-Ausstellung stand am Beginn. Kirbach verkaufte seine Spielsachen und finanzierte von dem Erlös seine ersten Ankäufe. Das seien allerdings Dinge gewesen, die er damals für Kunst gehalten hätte, schränkte der Kunsthändler ein.

Parallel dazu begann Kirbach zu zeichnen, wozu er Talent gehabt habe. Ein im Haus wohnender Maler förderte ihn, schließlich folgten Kurse in der Volkshochschule, erste Ausstellungen. Doch dann wurde es schließlich fragwürdig, die Kunst zum Beruf zu machen. Kirbach studierte Design, fotografierte im Rahmen eines Kunstprojektes in einer Travestie-Bar, erntete Erfolge. Neben dem Studium arbeitete er in einem Laden für historische Teppiche, wo er den Umgang mit Kunden erlernte.

2000 machte Kirbach sich mit einer Etagen-Galerie in Düsseldorf selbständig und zeigte dort Objekte, für die sein Herz damals brannte – afrikanische Stammeskunst. Schon zwei Jahre vorher hatte er mit Hilfe einer Freundes seine erste eigene Website erarbeitete – ein Wettbewerbsvorteil, denn mit einem Mal konnte er die Welt über sein Angebot informieren. Eine Begegnung mit dem Buddhismus brachte ihn mit japanischer Kunst in Kontakt – und schon entflammte sein Interesse abermals. Er habe sich „in die Thematik hineingestürzt“, berichtet er selber. Der japanischen Ästhetik gemäß zeigte er in seiner Düsseldorfer Galerie nur wenige, aber ausgesuchte und hochwertige Artikel. Aber auch die zeitgenössische Kunst zog bei ihm ein. Heute vertritt André Kirbach zehn Künstler.

Maike Peters-Heidemann, André Kirbach und die Sprecherin der Kunsthalle, Ilka Erdwiens

2014 kauften er und sein Partner ein Landarbeiterhaus in Hamswehrum. Urlaube an der Küste hatten die Liebe zu Ostfriesland und speziell für die Krummhörn geweckt. Einige Jahre später erwarben die beiden den nicht mehr betriebenen Dorfmarkt in Pilsum und verwandelten ihn 2020 in eine rund 120 Quadratmeter große Galerie. 2021 wird eröffnet – und seither liege sein Lebensmittelpunkt im Norden. Und – erstaunlich für die Besucher – habe er hier alles, was er benötige: Ruhe, ein Postamt und den Zoll. Kirbach versendet seine Kunstobjekte weltweit. Transportiert werden sie aber nicht von Kunstspediteuren, sondern gut verpackt im Postpaket – und das problemlos. Zudem gäbe es in Emden „unheimlich nette Zollbeamte“, mit denen er die nötigen Transaktionen abwickle.

Talk mit interessierten Gästen und alkoholfreiem Bier

Die Arbeit eines Kunsthändlers bestehe zu großen Teilen aus Recherche, Lesen, Prüfen – ob sein Schreibtisch dabei in Düsseldorf stehe oder in Pilsum, sei völlig unerheblich. Erhalten habe sich sein Drang, Dinge zu erwerben, um sie zu besitzen. Und auch für seine Galerie kauft er, was ihm gefällt. Ob er es anschließend verkauft oder nicht, ist Kirchbach egal. „Ein guter Kunsthändler hat nie Geld“, erklärt er selber.