Kunsthaus stellt neue Ankäufe vor

Leer. Das Kunsthaus Leer hat eine Ausstellung eröffnet, in der Neuzugänge von vier Künstlern in Auswahl präsentiert werden. Die Arbeiten stammen von Hilke Deutscher, Herbert Müller, Uwe Schierholz und Ahlrich van Ohlen. Nunmehr verfüge das Kunsthaus über Vor- und Nachlässe von 36 Künstlerinnen und Künstlern, sagte Landrat Matthias Groote in seiner Begrüßung. Ermöglicht wurde eine Auswahl von 25 Arbeiten durch Ankäufe der Sparkassen-Kulturstiftung LeerWittmund. Weitere 39 Werke sind Geschenke von Müller und van Ohlen.

Wie bei den Ausstellungen im Kunsthaus üblich, war es rappelvoll in der Villa im Turnerweg. Bilder: Wolfgang Mauersberger

Die Leiterin des Kunsthauses, Susanne Augat, stellte die Künstler vor. Die Ostfriesin Hilke Deutscher, die lange außerhalb der Region lebte, begann 1987 ihre künstlerische Arbeit zu intensivieren. Als Gasthörerin an verschiedenen Universitäten vertiefte sie ihre technisch-handwerklichen Fähigkeit und befasste sich mit Kunstgeschichte. Der Schwerpunkt ihrer Arbeiten liegt in der Aquarellmalerei, wobei besonders der Lichteinfall ihr Interesse weckt.

Das Bläser-Trio „Planetaris“ – hier vor Arbeiten von Uwe Schierholz – spielte Musik von Telemann und Rossini

Motivisch beschäftigt sie sich mit Flusslandschaften, dem Watt, aber auch der Architektur, die sie poetisch in Szene setze, wie Susanne Augat betonte. Der Bildgegenstand bleibt erkennbar, nähert sich aber oft auch Kompositionen, die nahezu abstrakt sind. Tableaus setzen sich aus zehn mal zehn Zentimeter großen Minibildern zusammen, die thematisch gebunden sind.

Da lohnt sich ein genauer Blick: Besucher vor vier Exemplaren der Mail-Art, die Ahlrich van Ohlen gerne versendet

Herbert Müller, gebürtiger Ostfriese, studierte Geschichte und Kunst in Münster. Nach dem Referendariat wurde er Kunsterzieher am Ulricianum in Aurich. Seit 2012 arbeitet Müller freischaffend. Von Herbert Müller sind Arbeiten von Öl auf Japan-Papier in die Leeraner Sammlung gekommen, die mit extremen Horizontverschiebungen und reduzierter Formensprache arbeiten. Seit 2011 arbeitet er auch mehrteilige Bilder. Dagegen setzt er zeitgeschichtliche Werke, beginnend mit dem Aquarell-Zyklus „Bilder vom Krieg“. Bedeutsam wurden seine bildlichen Auseinandersetzung mit dem Konzentrationslager in Engerhafe. Dazu zählen Kohlezeichnungen von Totenschädeln, die auf Fotos von Exhumierungen der 188 Toten des KZ Engerhafe beruhen. Zwei Arbeiten mit Motiven aus dem Lager sind derzeit in der Ausstellung im Kunsthaus zu sehen.

Kunsthaus-Leiterin Susanne Augat bei der Eröffnung vor einer Grafik von Uwe Schierholz

Uwe Schierholz (1951 bis 2022) stammt aus dem Kreis Minden und war Chemie-Facharbeiter. Mit 28 Jahren holte er das Abitur nach, arbeitete in der Möbelindustrie, als Entsorger und Laborant. Nebenberuflich begann er ein Studium. Seit 2009 lebte er als freischaffender Grafiker und Maler in Norden. Er fand die Motive für seine Drucke – vorwiegend Linol- und Holzschnitte – vor allem in der industriellen Welt, erläuterte Augat. Er zerlegte die Wirklichkeit, die er in Skizzen einfing, in abstrahierendem Stil in rhythmisierende Strukturen und dokumentiere so moderne Arbeitswelten. 15 seiner Drucke wurden für das Kunsthaus Leer angekauft.

Besucher vor einer Landschaft mit tiefem Horizont von Herbert Müller

Ahlrich van Ohlen kommt aus dem Landkreis Leer und absolvierte in Oldenburg ein Lehramtsstudium mit der Fachrichtung Kunst. Bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand war er als Kunsterzieher an verschiedenen Schulen auf der ostfriesischen Halbinsel tätig. Druckgrafik – gerne auch politisch oder als Cartoon – und das Erstellen von phantasievollen Künstler-Büchern sind Schwerpunkte seiner Arbeit. Susanne Augat stellt aber auch sogenannte „Mail-Art“ von van Ohlen vor. Das sind Karten mit kleinen Kunstwerken, Mitteilungen oder Hinweisen, die per Post versandt werden und so ein Netzwerk bilden, das mit dem Kunstmarkt nichts zu tun hat. Davon besitzt das Kunsthaus eine kleine Kollektion.

Herbert Müller, Christiane Hubert-Schnelle und Hartmut Bleß vor zwei Arbeiten Müllers, die sich mit dem KZ Engerhafe auseinandersetzen

Untermalt wurde die Eröffnung von Musik des Trios „Planetaris“, die Barockmusik von Telemann spielten und besonders viel Applaus für ihr Arrangement der Ouvertüre „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini erhielten. Martin Jaser, Motoko Matsuda-Jaser und Felipe Egaña spielen in der Besetzung: Fagott, Oboe und Querflöte.

Zwei Künstler unter sich: Hilke Deutscher und Herbert Müller

► Die Ausstellung ist bis zum 11. Januar 2026 dienstags bis donnerstags sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.