Reformierte bestätigen ihr Ja zur Bibliothek

Emden. Die Evangelisch-reformierte Kirche hat im Rahmen eines Festaktes zum 30-jährigen Bestehen der Johannes a Lasco Bibliothek ihr Ja als Bekenntnis zum Haus bestätigt. Vor rund 200 geladenen Gästen erklärte Kirchenpräsidentin Dr. Susanne Bei der Wieden in einem emotionalen Statement, dass das reformierte Bekenntnis bis heute von der Mutterkirche ausgehe. Das war der Titel der Großen Kirche, auf deren Ruinen die Johannes a Lasco Bibliothek errichtet wurde.

Die Redner des Festaktes: Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs, Kirchenpräsidentin Dr. Susanne Bei der Wieden, der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland Dr. Hans Ulrich Anke, Oberbürgermeister Tim Kruithoff, der wissenschaftliche Vorstand der Bibliothek Professor Dr. Kęstutis Daugirdas, der wissenschaftliche Beirat der Bibliothek Professor Dr. Dr. h.c. Michael Beintker und der kaufmännische Vorstand der Bibliothek Gerhard Plenter. Bilder: Wolfgang Mauersberger

Bei der Wieden leitete ihren Beitrag mit einem Video-Clip ein, der die schönsten Seiten der Architektur und der Ausstattung des Hauses in einem rasanten Drohnenflug zeigte. Immer wieder wurde dabei das Wort „Ja“ eingeblendet, das die Kirchenpräsidentin zum Leitgedanken ihres Grußwortes machte, indem sie einen Schnelldurchgang durch kirchliche und diakonische Entwicklungen innerhalb der reformierten Kirche unternahm. „Ja“ habe man nicht nur 1571 bei der Emder Synode „zu einer neuen, befreiten Form des Glaubens“ gesagt, sondern eben auch 1993 zu einer großen Idee – dem Wiederaufbau der Großen Kirche. Es sei ein begeistertes Ja gewesen. „Die ganze Synode fuhr spontan aus Leer nach Emden, um zu sehen, ob das möglich wäre, die Kirche wieder aufzubauen, so, dass sich Altes und Neues miteinander verbinden und einer Bibliothek Raum zu geben.“
Die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche, Dr. Susanne Bei der Wieden, nutzte moderne Video-Technik für ihr deutliches Ja zur Johannes a Lasco Bibliothek

Dabei hatte der wissenschaftliche Vorstand der Bibliothek, Professor Dr. Kęstutis Daugirdas, das Bauprojekt eingangs einen „kreativen Kraftakt sondergleichen“ genannt und auf das „kongeniale Duo“ des Wiederaufbaus, Walter Schulz und seinen Architekten Jochen Bunse verwiesen, die aus den Ruinen der Großen Kirche ein funktionstüchtiges Haus entwickelten, das sich von Anfang an den Bereichen Bibliothek, Forschung und Kultur widmete.

Die Redner erwartete ein interessiert lauschendes Publikum in der von Kerzenlicht erhellten Johannes a Lasco Bibliothek

Fünf Redner beleuchteten den Jahrestag aus unterschiedlichen kirchlichen, politischen, wissenschaftlichen Perspektiven. Falko Mohrs, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, bezeichnete die Bibliothek in seinem Grußwort als Haus, das aus der Kulturlandschaft Niedersachsens nicht wegzudenken sei. Über alle politischen Ebenen hinweg müssten solche Orte erhalten werden. Auch Mohrs bezog sich auf Bedeutung und Entwicklung der Bibliothek, die heute ein wissenschaftlicher Raum, aber auch ein Ort für Diskussionen sei. Und er gab den Verantwortlichen und Bürgern mit auf den Weg, auf diese Bibliothek und ihre Büchersammlung stolz zu sein.

Unter den Gästen befanden sich ehemalige Mitarbeiter der Bibliothek wie auch Fachleute, die am Wiederaufbau beteiligt waren

Er habe sonst „deutlich hochbetagtere Jubilare“ zu würdigen, versicherte der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Hans Ulrich Anke. Er nannte das Projekt ein „fast unglaubliches Vorhaben“, dessen Ausgangslage schwierig, das Vorhaben ambitioniert, der Anfang faszinierend gewesen sei. Und er fragte: „Wie kann man nicht davon angetan sein von diesem wunderschönen wie historisch bedeutsamen Raum?“ Anke ließ die finanzielle Krise der Bibliothek von 2008 nicht unerwähnt. Die EKD und die Solidarität der Gemeinschaft der Landeskirchen hätten sich entschieden für die Fortführung der A Lasco-Stiftung engagiert. Das sei und bleibe Ausdruck eines klaren Bekenntnisses zur Bedeutung einer Bibliothek, die exemplarisch für die konfessionelle Vielfalt in der EKD stehe.

Musik des 17. und 18. Jahrhunderts gab dem Festakt sein klangvolles Gepränge: Mechthild Karkow und Isabell Röbstorf


Die Leistung des Gründungsdirektors Walter Schulz als Initiator und Organisator des Wiederaufbauprojektes der Ruine der Großen Kirche zur Johannes a Lasco Bibliothek bestimmte den Emder Fokus. So formulierte Oberbürgermeister Tim Kruithoff: „Die Bibliothek, wie wir sie heute feiern, wäre ohne Walter Schulz nicht denkbar.“ Es gab aber auch hohe Anerkennung für die Arbeit der Ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter. „Ohne sie wäre die Bibliothek ein Ort – mit ihnen ist sie ein Zuhause.“ Die Bibliothek sei „unser Phönix“, der aus der Asche aufsteige, eine Wiedergeburt. Er, Kruithoff, sehe, wenn er auf die Wände der einstigen Kirche schaue, nicht nur Geschichte. Er sehe ein Versprechen, dass aus Zerstörung Schönheit entstehe, „dass aus Mut Institutionen werden.“

Und hinterher gab es Gespräche und für den Minister und seine Begleitung eine Besichtigungsrunde durch die Bibliothek: Johann Saathoff, Falko Mohrs und Kęstutis Daugirdas

Für den wissenschaftlichen Beirat der Bibliothek gab Professor Dr. Dr. h.c. Michael Beintker einen Überblick über die großen Ereignisse, die das Haus in 30 Jahren erlebt habe. Anfangs sei es um die wissenschaftliche Profilierung des Hauses gegangen. Dafür habe der Tagungs-Zyklus der „Kulturwirkungen des reformierten Protestantismus“ gestanden. Doch es gab weitere Schwerpunkte: Beintker erinnerte an den 500. Geburtstag des Namensgebers der Bibliothek, an Karl Barth-Symposien und Calvin Kongress, an den Festakt zur Wiedereröffnung nach zweijähriger Schließung, die „unvermeidlich“ gewesen sei. Abschließend verwies er auf den wissenschaftlichen „Frühling“, den die Bibliothek derzeit mit ihren Forschungsvorhaben zur „Konfessionskultur des Reformiertentums“, zur Mennonitin Antje Brons und zu den digital edierten sozinianischen Briefwechseln erlebe.

Der kaufmännische Vorstand Gerhard Plenter, der die bauliche Renovierung der Bibliothek und die Finanzierung dieses Vorhabens geleitet hatte, resümierte, dass es eine Freude gewesen sei, für das Haus zu arbeiten, das zugleich Erbe und Auftrag bedeute.

Ein Gemälde von Jaques Roskamp zum Geburtstag der Bibliothek: Nil, Khadija, Skander und Elias Bouassida. Skander Bouassida ist der Enkel von Johann Philipp Janssen, der dem Haus 1992 seine bibliophilen Bücher geschenkt hatte. Das Gemälde des Großvaters ist an der Wand zu sehen

Zwischen die Reden eingeschoben waren musikalische Beiträge, die Vilma Pigagaitė (Sopran) zusammengestellt hatte. Gemeinsam mit der Altistin Dorothea Ohly-Visarius sang sie Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts, begleitet von einem kleinen Ensemble, das mittlerweile bereits häufiger im Rahmen der an der Bibliothek beheimateten Sonntagsmatinéen zu hören war: Isabel Röbstorf (Blockflöte), Miriam Griess (Barockcello) und Torsten Mann (Cembalo). An diesem Tag der Wiederbegegnung vieler Menschen in der Bibliothek war mit Mechthild Karkow (Barockvioline) nach langer Zeit eine Musikerin aus Emden zu Gast, die inzwischen in der Welt der Alten Musik Karriere gemacht hat und derzeit als Professorin an der Hochschule für Alte Musik in Bremen wirkt.

Noch ein Geschenk: Almuth Criegee mit einem Ring der Schwiegertochter von Antje Brons

Es gab zum Geburtstag natürlich auch Geschenke. Almuth Criegee, Mitglied der großen Brons-Familie, überreichte als Schenkung für die Sammlung der Bibliothek einen zarten Ring, der einst der Schwiegertochter von Antje Brons, Gesine Brons, gehörte. Zudem gab sie ein schwergewichtiges Foto-Album als Leihgabe nach Emden.

Am Tag der Grundsteinlegung hatte 1992 der in Bad Godesberg lebende, aus Wolthusen gebürtige Kaufmann Johann Philipp Janssen (1917 bis 1993) der Bibliothek seine bibliophile Sammlung geschenkt. Jetzt fügte sein Enkel, der in Berlin lebende Chirurg, Chefarzt Dr. Skander Bouassida, den Büchern ein Gemälde hinzu, das er im Auftrag seiner Mutter, Maike Bouassida, als Schenkung überreichte. Sein Großvater habe dieses Gemälde sehr geliebt, weil es seine Erinnerung an die Heimatstadt aufrechterhalten habe. Es zeigt eine Innenansicht der Großen Kirche mit Blick in Richtung der Herrengruft und wurde 1948 nach einem älteren Vorbild in Erinnerung an das 1943 zerstörte Gebäude von Jaques Roskamp gemalt.