Silberteller und Wachsbild für Aurichs Museum

Aurich. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkasse Aurich-Norden haben dem Förderverein des Historischen Museums Aurich zwei Exponate als Schenkung überlassen. Wie die Lösing-Teekanne im Ostfriesischen Teemuseum Norden (KiE berichtete), befanden sich im Historischen Museum ein silberner Teller des 17. Jahrhunderts und das Wachsporträt des ostfriesischen Fürsten Georg Albrecht (1690 bis 1734) bereits als Leihgabe der Sparkassenstiftung. Beide Stücke hatte die Stiftung für rund 20 000 Euro erworben. Besonders das Wachsporträt sei ein Unikat. Bisher sei noch kein vergleichbares Stück eines ostfriesischen Herrschers bekannt geworden, heißt es in einer Pressemitteilung des Museums.

Bei der Übergabe: Vorstand des Fördervereins Alexander Wiebel, Museumsleiter Dr. Christopher Galler, Kulturgesicht Katja Druivenga, Fachbereichsleiterin Dr. Edith Ulferts, Kulturgesicht Reenste Cornelis, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aurich-Norden Oliver Löseke und Dr. Johannes Janssen, Stiftungsdirektor der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Bild: Tetyana Bartels

Die Schenkung sei für das Heimatmuseum von besonderer Bedeutung, weil die Residenzzeit einen Schwerpunkt darstelle, der im Zuge der geplanten Neukonzeption noch gestärkt werden solle, versicherte Museumsleiter Dr. Christopher Galler. Gerade solche Objekte seien heute selten, denn mit dem Ende der Cirksena-Herrschaft habe man Inventar verkauft, das heute auf dem Kunstmarkt oder in Privatbesitz wieder auftauche.

Der Silberteller wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts durch den Gold- und Silberschmiedemeister Evert Gerdes hergestellt. Gerdes wurde 1631 geboren und war zwischen 1655 und 1694 in Aurich tätig. Auf der Unterseite des Tellers befindet sich neben der Auricher Stadtmarke die Meistermarke von Gerdes. Der breite Rand des Tellers ist mit verschiedenen Blumendarstellungen verziert.

In der Mitte befindet sich das Wappen der Familie Jhering. Wann und wie der Teller in den Besitz der Familie kam, ist unklar. Während er vorher möglicherweise als Brotteller diente, war er spätestens seit der Eingravierung des Wappens ein Zierobjekt.

Die Familie Jhering war seit dem 16. Jahrhundert in Ostfriesland ansässig und erlangte große Bekanntheit. Joachim Jhering (1542 bis 1617) war unter anderem Erzieher der Kinder des Grafen Edzard II. 1818 wurde in Aurich der bekannte Rechtswissenschaftler Rudolf von Jhering geboren, nach dem heute eine Hauptstraße nördlich der Innenstadt benannt ist.

Das Wachsporträt zeigt Georg Albrecht, Fürst von Ostfriesland, mit Perücke in Rüstung und Hermelinmantel. Gesicht, Körper und Rüstung sind aus Wachs modelliert, Mantel und Perücke wurden aus Fasern gefertigt. Georg Albrecht war der älteste Sohn des Fürsten Christian Eberhard und seiner Gemahlin Eberhardine Sophie, der das Erwachsenenalter erreichte.

Nach Studien in Leiden und einem Kriegsvolontariat beim Herzog von Marlborough musste er 1708 noch im Alter von 18 die Nachfolge seines Vaters antreten. Aufgrund häufiger Erkrankungen war er in seinem Regierungshandeln eingeschränkt und musste die Regierungsgeschäfte schließlich zunehmend an den fürstlichen Kanzler Enno Rudolph Brenneysen abgeben. Er verstarb im Alter von 45 Jahren in seiner Sommerresidenz in Sandhorst.