„Die Kirche war nie verloren!“
Emden. Er war 16 Jahre lang Landessuperintendent für den Sprengel Ostfriesland-Ems der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, seit 2020 mit der Amtsbezeichnung Regionalbischof, zog sich nach dem Eintritt in den Ruhestand nach Hannover zurück und blieb der Region zwei Jahre lang fern. Dr. Detlef Klahr war aber nun doch der Einladung der Emder Mennoniten-Gemeinde zu einem Talk über Martin Luther (1483 bis 1546) und Menno Simons (1496 bis 1561) gefolgt. „Es tut mir gut, hier zu sein“, bekannte er. Denn der Weggang sei für ihn nicht einfach gewesen – das Ankommen in Hannover aber ebenso wenig. Doch nun habe er seinen Rhythmus gefunden, lese viel, genieße die Zeit ohne Verpflichtungen, betreue seinen Garten, gehe auf Reisen und nutze die Möglichkeiten, die die universitären Einrichtungen der Landeshauptstadt ihm böten. Vom geplanten Kunstgeschichtsstudium habe er allerdings gleich Abschied nehmen müssen, weil der Studiengang in Hannover abgeschafft worden sei.



Und so saßen nun in der Mennoniten-Kirche in der Brückstraße neben dem Lutheraner Klahr, der frühere lutherische und jetzige Mennoniten-Pastor Martin Kaminski und die Kirchenratsvorsitzende Katja Beisser-Apetz. Die Mennoniten, die zur Täuferbewegung zählen, gedenken des 500-jährigen Bestehens. Die reformatorische Bewegung, die den Idealen von Gaubensfreiheit und Gewaltlosigkeit huldigt, erlebte grausamen Verfolgungen, nachdem 1525 in Zürich die ersten Erwachsenen getauft wurden. Damit teilte sich der Weg der reformierten, der lutherischen und der täuferischen Geschichte – mit all ihren theologischen Unterschieden. Klahr betonte, als Kirchenhistoriker wisse er, wie viel Schuld angehäuft worden sei. Er erinnerte daran, dass es 2010 zu einem Versöhnungsakt gekommen sei, in dem die Lutheraner die Mennoniten um Vergebung für vergangene Verfolgung baten.

Martin Luther in Miniatur

Martin Kaminski begleitete
Zu den grundlegenden Unterschieden zwischen evangelischen und mennonitischen Gemeinden zählt die Taufe. Im Neuen Testament, so Klahr, sei keine Kindertaufe erwähnt. Durchaus aber gäbe es Bibelstellen, die man in dieser Richtung auslegen könne – was auch Luther bewusst gewesen sei. Dahingegen befürworten die Mennoniten die Taufe von Erwachsenen, die auch Glaubenstaufe oder Bekenntnistaufe benannt wird, denn die Bedeutung der Taufe sei kleinen Kindern noch nicht verständlich. Klahr verwies darauf, dass in früheren Zeiten die Furcht bestanden habe, dass Kinder ungetauft sterben und dann nicht auf einem Friedhof beerdigt werden können. Luther habe sich daher auf den Tauf-Auftrag bezogen und das Glaubensbekenntnis der späteren Ausübung hinterlassen.
Mit der provokanten Frage, ob die Kirche angesichts der heutigen Entwicklungen zur Säkularisierung noch zu retten sei, beantwortete Klahr: „Die Kirche war nie verloren.“ Da mache er sich keine Sorgen. Ursprünglich seien es ja nur zwölf Anhänger gewesen. „ER wird nicht aufhören, seine Kirche zu bauen!“ Wo Menschen SEIN Wort aufnähmen, da sei Kirche.

Eine Kontroverse entspann sich bezüglich der vor wenigen Tagen veröffentlichten Friedensdenkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie soll Impulse für die Suche nach einer angemessenen christlichen Friedensethik für das 21. Jahrhundert bieten. Klahr bezeichnete das Papier als Argumentationshilfe. Er fände die Schrift daher „nicht schlecht“.
