Viel Interessantes über Seekarten
Aurich. Im Rahmen der Reihe „Landeskundliche Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands“ stellte der Emder Experte für historische Karten, Michael Recke, bisher wenig beachtete Seekarten des 19. Jahrhunderts vor, die den Bereich zwischen Emden und Jade abbilden. In seinem Vortrag im Forum der Ostfriesischen Landschaft betonte er, dass er die wesentlichen Karten zeige, die das 19. Jahrhundert bestimmt hätten. Diese Seekarten zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie auf exakten Lotungen beruhen, die die genauen Tiefen festhalten, und dass sie mit zahllosen Standorten für Leuchtfeuer, Landmarken und Ansteuerungspunkte versehen sind. Dazu gehören etwa Kirchtürme, markante Höhen, Baken und Leuchttürme. Aber auch Mühlen waren Gebäude, die man in Zweitverwertung als Markierungen für die Seefahrt nutzte.

Recke, der sich seit mehr als 40 Jahren mit historischen Karten beschäftigt, ging dabei chronologisch vor. Um 1820 seien es die Franzosen gewesen, die „den weltbesten Hydrographen nach Ostfriesland entsandten“. Dies war Charles-François Beautemp-Beaupré (1766 bis 1854), der die genauesten Vermessungen vornahm. Anschließend hätten sich die Niederländer um neue Seekarten gekümmert und dabei die gesamte Küste erfasst. Diese Arbeiten seien Vorbild auch für Ostfriesland in der Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen.
Nach 1850 war es die preußische Marine, die im Staatsauftrag sich mit den Vermessungen beschäftigte, speziell im Bereich des Jadebusens, wo ein Kriegshafen errichtet werden sollte. Aber auch das Königreich Hannover erkannte die Bedeutung des Vermessungswesens und entsandte eine ganze Reihe von Hydrographen. 1864, so Recke, entstanden Karten mit genauen Lotungen in den Küstenbereichen. Ein Jahr später wurde ein Buch herausgegeben, in dem die genauen Koordinaten von Seezeichen mittels Längen- und Breitenangaben notiert sind.
Dabei fand Recke besonders anerkennende Worte für die Arbeit des Wasserbau-Inspektors Dr. Arend Emanuel Taaks, der für seine wasserbaulichen Projekte im Binnenland bekannt wurde, der sich aber auch unstrittig für der Seekartographie verdient gemacht habe. Allerdings sei sein Name bis heute nur Fachleuten bekannt. Öffentliche Ehrungen – etwa durch eine Straßenbenennung – habe er nicht erfahren, monierte Recke, der auch eine kleine Biographie präsentierte. Taaks habe bei dem großen Mathematiker und Geodäten Carl Friedrich Gauß über ein Thema der sphärischen Trigonometrie promoviert.

Des weiteren ging der Kartenfachmann auch auf Fragen der Vermessung eines Ortes von See aus ein, er erläuterte die Funktion von Peilstock und verschiedenen Loten und zeigte Karten, auf denen die Beschaffenheit des See-Untergrundes notiert ist, um anhand dieses Materials zu Standortbestimmungen zu kommen. Im Vortrag erfuhren die Besucher auch interessante Details: Vorlagen für die Seekarten waren Kupferstiche, weil man die relativ einfach korrigieren konnte. Baken verfügen alle über unterschiedliche „Köpfe“, die sie unverwechselbar für bestimmte Standorte machte.

Der Turm der 1844 neu erbauten Kirche von Esens wurde gleich als Seezeichen markiert. Als 1866 die Marine das Kartenwesen übernahm, wurde die Vermessungsarbeit mittels riesiger Kanonenboote durchgeführt, deren Besatzung bis zu 120 Personen umfasste und die mit Segeln, aber auch einem Motor ausgestattet waren. Und noch ein historisches Detail: Die preußischen Karten wurden von Engländern und Spaniern kopiert – vermutlich um umfangreichere Seekartenwerke auch um den deutschen Teil der Nordseeküste zu komplettieren.


