Schlaglichter aus jüdischer Geschichte
Emden. Mit einer Lesung im Rummel des Rathauses am Delft ist am Donnerstag (4. Dezember) ein neues Buch über jüdisches Leben in Emden offiziell vorgestellt worden. Dieses Buch mit dem Titel „Trüber Schleier über jüdischem Leben – Lebensgeschichten von Juden und Zeitzeugen, die an die Jahre im Nationalsozialismus erinnern“ entstand aus Beiträgen der Reihe „Emder erzählen“, die seit mehr als 30 Jahren integraler Bestandteil der Emder Zeitung ist und vom ersten Tag an von der Journalistin und Autorin Iris Hellmich betreut wird. Vier Zeitzeugen, die in der Vergangenheit ihre eigenen Erlebnisse im Rahmen der Reihe berichtet hatten, ergriffen erneut das Wort. Dazu kamen vier Schülerinnen des Max-Windmüller-Gymnasiums, die jeweils einen Bericht aus den insgesamt 50 Geschichten des Buches ausgewählt hatten.

der sich für jüdische Mitbürger einsetzte:
Dr. Hans-Joachim Zeißig

der an eine jüdische Familie erinnerte
Lea Gerdhabing
Einige Stationen wurden lebendig, die von Ausgrenzung und Verfolgung, vom plötzlichen Verschwinden von Juden und von den Ereignissen der Pogromnacht berichteten. Dabei bildete der Blickwechsel das interessante Moment. So wurde die Situation nach dem 9. November 1938, als die Juden auf dem Schulhof der Neutorschule zusammengetrieben worden waren und sich dort zwangsweise sportlich betätigen mussten, aus der Sicht einer Schülerin berichtet, die das Geschehen während des Unterrichts entsetzt beobachtet hatte.

Ostfriesenzeitung von 1947:
Helmut Fischer

Dr. Theodor Brunzema:
Amely Wellbrock
Zwei Zeitzeugen boten Ergänzungen zu den Berichten, die sie in der Vergangenheit im Rahmen von „Emder erzählen“ formuliert hatten. Dr. Hans-Joachim Zeißig erinnerte an seinen Vater, der als Studienrat das Wort für die Juden ergriff, dafür ins Gefängnis wanderte und mit einem Berufsverbot belegt wurde. Zudem habe sein Vater auch alle Pensionsansprüche verloren. Der Vater starb früh, die beiden Kinder waren vier und fünf Jahre alt. „Wir kannten unseren Vater nur aus Erzählungen“, resümierte Zeißig.

Ereignis in ihrer Familie:
Helga Koschnik-Schwoon

die als 12-Jährige die Folgen der Pogromnacht
erlebte: Rieke Götemann
Helmut Fischer aus Norden hatte eine Zeitung dabei, die von ostfriesischen Auswanderern in den Vereinigten Staaten gegründet wurde und die 1947 im Rückblick die Geschichte eines Steinmetzes erzählte, der sich sein Material vom Judenfriedhof in der Bollwerkstraße holte, den jüdischen Namen auf den Grabsteinen oberflächlich tilgte und den Rest mit Spachtelmasse verschmierte. Er verkaufte den Stein einer Oldersumer Familie. Doch der Betrug flog auf.

Pastor Behrens, der Kirchengeschichte
schrieb: Siegfried Rückert

erinnerte an den Emder Juden und
Widerstandskämpfer Max Windmüller
Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Max Windmüller-Gesellschaft, Kai Gembler, der an diesem Abend als Moderator tätig wurde, erinnerte Iris Hellmich an die Anfänge der Serie „Emder erzählen“. Ursprünglich ging es darum, die Leser aufzurufen, bei der Identifizierung von Orten und Straßen des alten Emdens zu helfen. Die Resonanz auf ein erstes Foto war so enorm, dass Iris Hellmich sich vor Anrufen kaum retten konnte. „Mehr als 100 Leserinnen und Leser riefen mich an einem Wochenende an.“ Angesichts dieser Resonanz entschied Chefredakteur Herbert Kolbe, von dem auch die Ursprungsidee stammte, dass man weitermachen sollte. Schnell verlagerte sich die Serie von der Bild-Veröffentlichung zu den Erinnerungen der Leser, die bereitwillig berichteten und dabei alle nur denkbaren Themen ansprachen. Denn die Leser konnten allerhand aus der alten Stadt berichten. Und dazu gehörten auch die Geschichten von den ehemaligen jüdischen Nachbarn und Mitbürgern.

Kai Gembler

Iris Hellmich

OB Tim Kruithoff
► Das Buch „Trüber Schleier über jüdischem Leben“ ist im Handel oder im KUNST-Laden für 28 Euro zu bekommen. ISBN: 978-3-69089-040-3
Alle Bilder: Wolfgang Mauersberger
