„Geheimtipp“ in der Vorweihnacht
Emden. Es gibt sie noch – diese kleinen Veranstaltungen, die man leicht übersieht, die unauffällig auftreten und doch Wesentliches bieten, diese besondere Mischung aus Qualität und Nähe, aus freundlicher Zuneigung und persönlichem Einsatz. „Geheimtipp“ nennt man sie. Die Hauskonzerte im Organeum in Weener gehören dazu. Aber auch die Jahres-Abschlussveranstaltung von 1820dieKUNST im Rummel des Rathauses am Delft ist solch eine freundliche Veranstaltung.

Eine schlichte Lesung, Weihnachtslieder auf dem Akkordeon. Dazu als Hintergrund ein brennender virtueller Kamin, der Wärme suggeriert. Kekse und Glühwein gehören ebenfalls zum heimeligen Angebot. Ganz einfache Ingredienzien verbinden sich zu einem stimmungsvollen Programm, das viel über den Sinn von Weihnachten aussagt.

Johannes Berg

Silke Arends
Am Dienstag (9. Dezember) war es wieder soweit. 1820dieKUNST hatte zum dritten Mal zur Lesung mit Silke Arends geladen. Begleitet wurde sie von Akkordeonistin Dörte Lehmann, die deutsche Weihnachtslieder pur beisteuerte. Eine Einlage bot Gerold Conradi mit seiner Mundharmonika, reduzierte Percussion trug Claudius Wenzel bei.

Die Besucher im Rummel des Rathauses verfolgten mit Anteilnahme die Geschichten – etwa die von Agatha Christi, die einmal Mörder und Kriminalistik beiseite gelassen hatte und statt dessen die Weihnachtsgeschichte aus Sicht eines „unfolgsamen kleinen Esels“ erzählt. Rührend, aber nicht kitschig.

Mundharmonika: Gerold Conradi

Schlaginstrumenten: Claudius Wenzel
Silke Arends macht keine Umstände. Mit ruhiger, optimistischer Stimme trägt die Chefredakteurin des Ostfriesland-Magazins die Texte vor. Und Dörte Akkermann findet immer den richtigen Moment, um mit der Musik einzufallen. Alles wirkt völlig natürlich und selbstverständlich. Zwischendurch gibt es Kontakt zu den Besuchern, die gerne mitsummen und schließlich auch zum Mitsingen animiert werden. Zudem wird eingeladen, dem Angebot an Gebäck und Getränk zuzusprechen. Für die Kekse ist in diesem Jahr Kunst-Vorstandsmitglied Johannes Berg zuständig, und seine Kreationen werden gerne konsumiert.

Silke Arends dosiert ihre Geschichten und Gedichte mit Bedacht. Es soll nicht zuviel werden, aber dennoch ein breites Umfeld abgebildet werden. Und so steht ein Tagebuch-Eintrag von Thomas Mann – datiert auf den 24. Dezember 1909 – ebenso auf dem Programm, wie auch ein „Wintersonnenmärchen“ von Otto Ernst oder die ganz reizende Geschichte „Der erste Weihnachtsbaum“ von Hermann Löns. Dazu gibt es Gedichte von Erich Kästner und H.P. Kerkeling, die durch ihren skeptischem Blick auf das festliche Geschehen überzeugen. Nach gut eineinhalb Stunden verlassen die Gäste den Rummel. Auf den meisten Gesichtern liegt ein Lächeln …
