„Nachlassen ist nicht gestattet!“
Aurich. In diesem Jahr hat sich die Ostfriesische Landschaft intensiv mit dem Thema „Die Sturmflut 1825“ befasst. In Zusammenarbeit mit fünf Deichachten, die – gemeinsam mit der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse auch die Finanzierung übernahmen – gab es eine von der Sparkasse Leer-Wittmund geförderte große Tagung, dazu eine Wanderausstellung, die immer noch nachgefragt ist. Und nun ist im Verlag der Ostfriesischen Landschaft auch die zugehörige Publikation mit den Vorträgen der Tagung erschienen.

Bei der Vorstellung des 96-seitigen Heftes, das interdisziplinäre Beiträge beinhaltet, erinnerte Landschaftspräsident Rico Mecklenburg daran, dass man schon 2017 mit einer Tagung zum 300. Jahrestag der Weihnachtsflut auf viel Interesse gestoßen sei. Dies gelte nun auch für die Februarflut von 1825, die die Menschen an der Nordseeküste nach wie vor beschäftige. „Es war ein historisches Ereignis, das tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen hat“, sagte Brandkassen-Vorstand Thomas Weiss und mahnte, ein Nachlassen der Bemühungen um einen fortlaufenden Deichbau dürfe nicht zugelassen werden. „Nachlassen ist nicht gestattet!“ Zum Deichbau gebe es keine Alternative, und man dürfe diesbezüglich keine Kompromisse machen.
Die Vertreter der Deichachten – Oberdeichrichter Gerd-Udo Heikens (Krummhörn), Rendant Frank Rosenberg (Krummhörn) und der Rendant der Deichacht Norden i.R. Johann Oldewurtel – versicherten, mit der jüngsten Erhöhung der Deiche um einen Meter könne man eine Sicherheitsgarantie auf 100 Jahre geben. „Eine solche Aussage konnte man in der Geschichte des Deichbaus noch nie machen“, konstatierte Heikens. Man sei beständig im Austausch mit der Wissenschaft, die das Thema angesichts der steigenden Wasserstände latent im Blick habe. Zudem sei es aufgrund des bestehenden freien Korridors hinter den Deichen möglich, diese um einen weiteren Meter zu erhöhen.
Schlimmer sehe es bei der Entwässerung aus, meinte Landschaftsdirektor Dr. Matthias Stenger. Angesichts der notwendigen Erneuerung der Pumpen im Schöpfwerk an der Knock, für die es derzeit kein Geld gäbe, könne das Thema Entwässerung womöglich noch eher zum Problem werden als Sturmfluten.
Heikens erinnerte daran, dass in der Vergangenheit jeder Sturmflut eine besondere Notsituation vorausging: seien es Hungernöte, Pandemien oder Kriege. So sei auch die Sturmflut von 1962 durch den 2. Weltkrieg zu begründen. Die Menschen hätten damals den Wiederaufbau priorisiert und die Pflege der Deiche vernachlässigt. Das sei heute anders. „Noch nie war die Situation beim Deichbau so gut wie heute“, resümierte der Oberdeichrichter.
Die Publikation zur Sturmflut von 1825 wird von den Deichverbänden auch als wichtiger Teil ihrer Öffentlichkeitsarbeit gesehen, es sei „ein Sprachrohr für die Deichachten“. Diese Aussage verstärkte Matthias Stenger. Das Buch sei und bleibe „aktuell über Generationen“, denn kurzfristige Aktionen schlössen sich beim Deichbau aus. Das Buch vereint historische, geologische und ingenieurwissenschaftliche Perspektiven. „Der Band zeigt, wie die Ereignisse von 1825 den modernen Küstenschutz begründeten – und welche Lehren daraus für den Umgang mit dem Klimawandel zu ziehen sind“, schreibt Herausgeber Dr. Heiko Suhr auf dem Einband.
► Förderer des Gesamtprojektes zur „Sturmflut 1825“: die fünf Deichverbände Harlingerland, Norderland, Krummhörn, Moormerland und Leda-Jümme. Weiterhin: die Ostfriesische Landschaft, die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse sowie die Sparkasse Leer-Wittmund.
► Das Heft „Die Sturmflut 1825. Eine Naturkatastrophe vor 200 Jahren und ihre Bedeutung für den Küstenschutz in Ostfriesland bis in die Gegenwart“ ist als Nummer 11 der „Hefte zur ostfriesischen Kulturgeschichte“ erschienen und kostet 8,90 Euro (ISBN 978 394 0601 827). Zu bekommen ist es über den Buchhandlungen oder direkt über den Verlag der Ostfriesischen Landschaft.
