Hochklassiges Konzert im Doppelpack

Emden. Mit einem überaus qualitätvollen Konzert überzeugte das Residenzorchester Baden-Württemberg am Silvesterabend gleich zweimal seine Gäste im Festspielhaus am Wall. Zwar erfreute es auch mit Tritsch-Tratsch-Polka und Radetzky Marsch, aber insgesamt fiel das Programm ungewöhnlich speziell aus.

Hatte sein Orchester fest, aber ausgesprochen freundschaftlich und wertschätzend im Griff: Dirigent Sven Gnass. Bilder: Wolfgang Mauersberger

Dem Beginn mit Mozarts eingängiger Ouvertüre zur Oper „La Clemenza di Tito“ – folgte ein gewollter „Stilbruch“ ins Fach des Jazz – Maurice Ravels nicht so oft zu hörendes Klavierkonzert in G-Dur zeigte, das der als Impressionist klassifizierte Komponist auch mit den komplexen Rhythmen etwas anfangen konnte. Umso bewundernswerter zeigte sich der Pianist Christoph Soldan den hohen technischen Anforderungen des Stückes – erst virtuos, dann seelenvoll, dann temporeich – mühelos gewachsen. Soldan habe sich gefreut, dieses Werk in Emden aufführen zu können, sagte Veranstaltungsleiterin Kerstin Rogge-Mönchmeyer Im Gespräch mit KiE. Es hätten mehrere Klavierkonzerte zur Auswahl gestanden, doch sie habe keinen „Klassiker“ gewollt. „Ich finde, dass der jazzige Charakter der Komposition gut zu einem Silvesterkonzert passt.“


Nach der Pause ging es munter weiter. Dirigent Sven Gnass, ebenso wie Soldan ein umgänglicher Mensch mit feinen Umgangsformen und freundlicher Ausstrahlung, übernahm nun die Moderation, die in ihrer lockeren Ansprache an das Publikum ausgesprochen gut ankam. Was folgte war Filmmusik aus „Die glorreichen Sieben“, „Jenseits von Afrika“ „Umbrellas of Cherbourg“ und „Ratatouille“ – immer nach der originalen Partitur gespielt. Diese Partituren seien „sehr schwer zu bekommen“, aber er habe sie, erklärte Gnass – und dieser Satz wurde zum Leitwort des zweiten Teils. Dieser brillierte mit dem temperamentvollen „Tico Tico“, inszenierte mit „White Christmas“ einem seelenvollen Rückblick auf das Weihnachtsfest und zeigte mit dem Bravour-“Czardas“ von Mario Monti die Fähigkeiten von Konzertmeister René Kubelik.


Wie in den letzten Jahren üblich, gab es das Silvesterkonzert zweimal – um 16 und um 19 Uhr. Dabei sei die Nachmittagsvorstellung noch besser besucht gewesen als das Abendangebot, sagte Kerstin Rogge-Mönchmeyer. Für die Musiker fand sie viel Lob. Diese wollten schon am 30. Dezember mit dem Zug anreisen, um dann einen straffen Probenplan durchzuziehen. Doch der Zug sei nicht gefahren, und so musste alles kurzfristig neu organisiert werden. Zudem sei es eine außerordentliche Leistung von Orchester, Dirigent und Solist gewesen, den Ravel gleich zweimal nacheinander zu spielen.

Im ersten Teil des Programms hatten sich Solist und Dirigent in weiße Jacketts gewandet

Der begeisterte Applaus des Publikums sollte angesichts der Anreiseprobleme und der Anstrengung der beteiligten Musiker im hochklassigen Doppelkonzert eine angemessene Würdigung dargestellt haben.

Hatte viel Spaß: das Publikum im zweimal gut besuchten Silvesterkonzert