Was ist ein Bild und wozu dient es?

Am letzten Tag der Tagung in der Johannes a Lasco Bibliothek ging es um die Moderne

Emden. „Reichhaltige Tage seien es gewesen“, resümierte der wissenschaftliche Vorstand der Johannes a Lasco Bibliothek, Professor Dr. Kestutis Daugirdas, nach Abschluss Tagung „Konfession und Kunst“. Dabei vereinigten sich Vortragende und Anwesende in ihrer Einschätzung der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der Fragestellung und zugleich der Enge der Argumentationsstränge. Denn die Beeinflussungen zwischen den Konfessionen in Bezug auf Ausprägungen in der Bildenden Kunst seien sehr schmal und womöglich gar nicht exakt zu bemessen. Gelobt wurde der interdisziplinäre Ansatz der Tagung, der unter anderem aufzeigte, dass „im Reformiertentum mehr Raum für Ästhetisches zu finden ist als man zunächst meint“, wie der Münsteraner Kunsthistoriker Professor Dr. Jens Niebaum formulierte.

Hatte während der Tagung die Technik fest im Griff: Udo Bleeker

Wie fragwürdig ein Schubladendenken in Sachen der Konfessionen und ihrem Verhältnis zur bildenden Kunst sei, machte Professor Dr. Michael Beintker deutlich, als er daran erinnerte, dass eine Kopie von Grünewalds bedrückender Kreuzigung auf dem Isenheimer Altar ihren Platz über dem Schreibtisch des berühmten reformierten Theologen Karl Barth hatte. Eine klare Klassifizierung von reformierter Schlichte und katholischem Prunk sei so eindeutig nicht zu belegen. Vieles verschwimme mit und in den Zeitläuften und zudem gäbe es regionale Spezifika, die zu berücksichtigen seien.

Beschlossen ist, dass es einen reich beilderten Tagungsband geben wird, der die Vorträge von „Konfession und Kunst“ nachvollzieht und somit einer breiten Diskussion öffnet, wie Daugirdas ankündigte.

Doch vor dem Schluss standen die letzten beiden Vorträge. Der eine beschäftigte sich mit der Innenausstattung „geheimer“ Kirchen wobei es um die Predigt-Räume der Mennoniten ging (Vortrag: Nina Schroeder (Amsterdam). Ein Vortrag über „Bildersturm als Rationalitätsgewinn“ schloss dann die Tagung ab, wobei hier das Thema von der philosophisch – naturwissenschaftlich – musikalischen Seite aufgegriffen wurde und damit einen übergreifenden, großen Ansatz aufwies.

Frönte in seinem Vortrag auch seiner Leidenschaft für Musik: Dr. Michael Weichenhan

Dr. Michael Weichenhan war der Referent, der anhand von Ausschnitten aus der Oper „Moses und Aron“ von Arnold Schönberg nicht nur einen neuen Aspekt einbrachte – nämlich den der Musik – sondern auch die Philosophie der Moderne zum Sachwalter aufrief und so einen Bogen schlug, der über das Konfessionelle hinausging und – ganz nebenbei – auch einen Blick in die orientalische Vorstellungswelt der Bildlosigkeit warf.

Die große Frage, die sich stellte, und die, wie Weichenhan nachwies, in der moderner Kunsttheorie eine wesentliche Rolle spielt, ist die nach der grundsätzlichen Klärung des Bild-Begriffs. Was ist ein Bild? Das mosaische Gebot: Du sollst Dir kein Bildnis machen! steht da voran. Warum aber soll man sich kein Bildnis machen? Weil Gott unbegrenzt und damit unvorstellbar bleiben soll. Und genau dieses Wort „u-n-v-o-r-s-t-e-l-l-b-a-r“ nutzt in der Schönberg-Oper Moses immer wieder und sehr pointiert für seine abstrakte Gott-Beschreibung.

Bild oder Bildverbot? In dieser divergierenden Diskussion stellte Weichenhan unterschiedliche Positionen von Philosophen, Physikern und Kunsthistorikern in den Vordergrund und zitierte vor allem den Kunsthistoriker Wilhelm Worringer, der in seiner 1907 erschienenen und bis heute immer wieder aufgelegten Dissertation die Kunstgeschichte in die Bereiche Abstraktion (Reaktion auf die menschliche Umwelt) und Einfühlung (Nachahmung der Natur) teilt. Gegen die These, dass die Moderne radikal ikonoklastisch sei, stellte sich in der Diskussion die Feststellung, dass „ein gutes Bild dem Betrachter etwas gibt, das sonst nicht sichtbar wird“.

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